Aufbruch oder Abbruch

Kaiserin des Westens, 23. Juli 2007

aufbruch oder abbruch

das finale totschlagargument arbeitsplätze

damit auch die überflüssigen produktivitätsfaktor werden

arbeit rentiert sich es werden millionen daran verdient

arbeit ist der verkaufsschlager. ein echter hit.

allerdings soll der arbeitnehmer möglichst nichts kosten

aber möglichst viel arbeiten. sonst wäre es ja sinnlos.

schließlich leben wir ja in einer arbeitsgesellschaft

was wären wir ohne mehrwert

mehr kann man nicht verlangen

____

und denke daran: arbeit macht frei

wenn nicht dich, dann jemand anderen

Malah Helman

2 Reaktionen zu “Aufbruch oder Abbruch”

  1. Der böse Wolf

    Als hier aufgeschlagener Gelegenheitskolumnist nehme ich mir einfach mal das Recht raus, das oben stehende Gedicht nicht nur zu kritisieren, sondern als absolut daneben zu bezeichnen.

    Auschwitz als Synonym für ein System, das Millionen von Menschen industriell vernichtete und sie dabei mit platten Sprüchen wie „Jedem das Seine“ oder eben „Arbeit macht frei“ ein letztes mal demütigte, mit der scheinbar modernen Arbeitswelt zu vergleichen ist schamlos, dumm und barbarisch.

  2. der gebliebenen Erinnerung

    Der Mißbrauch eines Schlagwortes hebt dessen künftige Brauchbarkeit nicht auf; eher umgekehrt, denn eine unbrauchbare Formel kann gar nicht mißbraucht werden.
    Ein weiterer Gebrauch setzt allerdings eine Sensibilität voraus, die erwartet werden dürfte, wenn mit Worten – deren immanenter und mitschwingender Bedeutung – der einfachheithalber jongliert wird. So wird schnell aus einem Aufbruch ein Absturz – es folgt hoffentlich ein Abbruch.

    Dem zynischen Werbeslogan für die Massenvernichtung des deutschen Faschismus „Arbeit macht frei“
    und seines nur von den Opfern von Innen im KZ Buchenwald zu betrachtenden aber gesellschaftlich getragenen präknanten Pendants „Jedem das Seine“ ist die Erinnerung und Scham – unser aller Vermächtnis – geblieben.

    Daher zur Erinnerung das „Dachaulied“ von Jura Soyfers. „Die Geschichte von der Entstehung des Dachau-Liedes, das habe ich unmittelbar erlebt. Wir sind ja oft schon um zwei oder drei in der Früh um Kaffee gegangen. Es waren riesige 50-Liter-Kessel, die selbst auch schon ein ganz schönes Gewicht gehabt haben. Das haben wir dann von der Küche in den Block gebracht. Und dann, man hat geschaut, dass man das schnell macht, und dann ist zwischen den Appellzeiten und dem Abmarsch vom Block oft eine Viertelstunde oder auch eine halbe Stunde gelegen. Und das war eine der Zeiten, wo wir zusammengekommen sind. […] Und eines Tages sagt der Jura: Komm mit hinauf zum Garten. Anschließend war ein riesiger Gemüsegarten, der von den Häftlingen betreut worden ist. […] Und unter anderem ist auch noch der Schneckerl dabei gewesen. Und der Kolaritsch. Der hat leider Selbstmord begangen. Aber erst nachher in Wien. Der Hugo war dabei, der Herbert Zipper. Und noch einige Leute, die ich nicht mehr ganz in Erinnerung hab. Und der liest uns das Dachau-Lied vor. Und ich habe nie gewusst, wann er das geschrieben hat. Das muss er im Schlaf geschrieben haben. Ich habe zwar neben ihm geschlafen. Aber auf einmal war es da. Und wir waren alle sehr beeindruckt. Denn es gibt so wirklich wieder, was das Dachau ausgemacht hat. […] Und dann hat es so alles getroffen, was wir gefühlt haben. Ich weiß heute noch nicht, ob jemand, der nicht im KZ war, das auch nur nachfühlen kann. Nachdem so viele es sagen, nehme ich an, dass es stimmt. Aber dass er sich das wirklich vorstellen kann, kann ich mir nicht vorstellen.“ (Mithäftling Max Hoffenberg).

    1.
    Stacheldraht, mit Tod geladen,
    ist um uns’re Welt gespannt.
    D’rauf ein Himmel ohne Gnaden
    sendet Frost und Sonnenbrand.
    Fern von uns sind alle Freuden,
    fern die Heimat, fern die Frau’n,
    wenn wir stumm zur Arbeit schreiten,
    Tausende im Morgengrau’n.

    Refrain:
    Doch wir haben die Losung von Dachau gelernt
    und wurden stahlhart dabei.
    Sei ein Mann, Kamerad.
    Bleib ein Mensch, Kamerad.
    Mach ganze Arbeit, pack an Kamerad.
    Denn Arbeit, Arbeit macht frei.

    2.
    Vor der Mündung der Gewehre
    leben wir bei Tag und Nacht.
    Leben wird uns hier zu Lehre,
    schwerer als wir’s je gedacht.
    Keiner mehr zählt Tag‘ und Wochen,
    mancher schon die Jahre nicht.
    Und so viele sind zerbrochen
    und verloren ihr Gesicht.

    3.
    Schlepp den Stein und zieh den Wagen,
    keine Last sei dir zu schwer.
    Der du warst in fernen Tagen,
    bist du heut‘ schon längst nicht mehr.
    Stich den Spaten in die Erde,
    grab dein Mitleid tief hinein,
    und im eig’nen Schweiße werde
    selber du zu Stahl und Stein.

    4.
    Einst wird die Sirene künden;
    auf zum letzten Zählappell.
    Draußen dann, wo wir uns finden
    bist du, Kamerad zur Stell‘.
    Hell wird uns die Freiheit lachen,
    vorwärts geht’s mit frischem Mut.
    Und die Arbeit, die wir machen,
    diese Arbeit, sie wird gut.