Freiräume erhalten – neue Welten gestalten

Kaiserin des Westens, 29. Oktober 2007

In Zusammenarbeit mit Indymedia erscheint in einigen Tagen ein 8-seitiger Print zu „Mediaspree“ und den Hintergründen. Er ist als klassische Information für Anwohner gedacht und wird in den Kiezen verteilt. Die Themen aber gehen weit darüber hinaus und bieten einen Überblick über die Folgen und Mechanismen von Gentrification – kiezweit bis weltweit betrachtet – und über den Widerstand der Betroffenen. Alle Artikel erscheinen auch hier:

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Während der Hochzeiten des Kreuzberger Häuserkampfs in den 80ern waren 165 Häuser besetzt. 1996 gab es in Berlin um die 700 Bauwagen. In der Wendezeit und danach nutzten Viele – vor Allem aus West-Berlin – den hohen Leerstand in unsanierten Altbauten des Ostens, um Häuser zu besetzen. Die Besetzungswelle endete mit Straßenschlachten in der Mainzer Straße – vorläufig. Viele der Häuser wurden durch die Polizei geräumt. Die verbliebenen Freiräume in Crossmountain und Fredericksgrove sind durch die neoliberale Stadtumstrukturierung bedroht.

Die Geschichte zur Versteigerung der Köpi liest sich wie ein zweitklassiger Krimi, der alle Abgründe des Immobiliengeschäfts erahnen lässt. Auch der Frauen-Lesben-Transgender-Wagenplatz Schwarzer Kanal, der 2002 der neuen ver.di-Bundeszentrale weichen und umziehen musste, ist bedroht. Dort und in der Köpi finden regelmässig unkommerzielle Veranstaltungen statt. Wer einmal dort war, weiß welch wunderbare Abende und Nächte man dort verleben kann, abseits von Konserve und Mainstream. Nachbarn wie das Deutsche Architektur Zentrum (DAZ) beklagen die mangelnde Verwertungslogik. Sie können mit alternativer Stadtplanung offenbar nichts anfangen. Im März wurde die Räumungsaufforderung für den Schwarzen Kanal vorm Oberverwaltungsgericht bestätigt. Immer wieder wird ein Ersatzgelände gefordert, bislang ohne Erfolg. Vor Kurzem wurde daher ein Grundstück an der Cuvrystraße symbolisch besetzt. Aufgrund der „Berliner Linie“ kam es sofort zu einem großen Polizeiaufgebot.

Weitere Wohn- und Kulturprojekte in Friedrichshain und Mitte sind bedroht. In der Rigaer 94 sind die Legalisierungsbemühungen gescheitert. Ein zugesprochener Rahmenmietvertrag wurde im Nachhinein durch ein Gericht aberkannt, im November 2000 wurde das Haus verkauft, im Juni 2007 Räumungsklagen durchgesetzt. Eine baldige Räumung wird befürchtet. Noch finden in der „Kadterschmiede“ des Hauses unkommerzielle Parties, Informationsveranstaltungen und Volksküchen statt. Auch die Projekte Liebigstr. 14, Liebigstr. 34, Rigaer Str. 78 und Brunnenstr. 183 (mit Umsonstladen) sind von Räumung und Vertreibung bedroht.

Die Widerspenstigkeit der linken, autonomen Hausprojekte ist eine große Hürde für Investoren und Spekulanten. „Wir sehen Wohnraum als elementares Grundbedürfnis eines jeden Menschen, der genau wie Bildung, Kultur und medizinische Versorgung, jedem Menschen gleichermaßen zur Verfügung zu stehen hat, ohne das daran Kapital geschlagen wird. Wir gehen kein Schritt weiter zurück! Max Klee“

Berlin bleibt Risikokapitale!

Weitere Infos: http://squat.net

Malah Helman

Schwarzer Kanal