Ein anderes (Bildungs-) System ist nötig!

Abriss Ghost, 15. Juni 2009

Die derzeitigen Zustände und Entwicklungen im Bildungssystem sind nicht weiter hinnehmbar! Weltweit sind Umstrukturierungen aller Lebensbereiche nicht mehr gemeinwohlorientiert, sondern den sogenannten Gesetzen des Marktes unterworfen. Seit ein paar Jahren ist auch das Bildungssystem in den Fokus solcher „Reformen“ geraten: Bildungsgebühren und die Privatisierung treffen uns alle!

Die Finanz- und Wirtschaftskrise zeigt deutlich, dass die Auswirkungen wettbewerbsorientierter Entscheidungskriterien verheerend sind. In vielen Ländern protestieren Menschen dagegen, so z. B. in Mexiko, Spanien, Italien, Frankreich und Griechenland. In diesem internationalen Zusammenhang steht der Bildungsstreik 2009.

Der anhaltende Protest gegen Studiengebühren und Sozialabbau in den letzten Jahren hat bei den Verantwortlichen in Medien, Wirtschaft und Politik zu wenig Wirkung gezeigt. Deswegen rufen wir nun dazu auf, unsere demokratischen Rechte in Form eines bundesweiten Bildungsstreiks wahrzunehmen. Hier werden pluralistische Aktionsformen (Demonstrationen, Blockaden, Besetzungen etc.) ihren Platz finden. Während einer bundesweiten Aktionswoche vom 15.-19.06.2009 werden wir gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern im gesamten Bundesgebiet demonstrieren. Wir suchen das Bündnis mit vielen gesellschaftlichen Gruppen, wie Gewerkschaften und sozialen Bewegungen, die wir ausdrücklich einladen, mit uns zu protestieren, denn wir sind überall mit der gleichen Politik konfrontiert: An der Hochschule, in den Schulen und im Betrieb.

Ziel des Bildungsstreiks ist es, eine Diskussion zur Zukunft des Bildungsystems anzuregen. Des Weiteren sollen Möglichkeiten einer fortschrittlichen und emanzipatorischen Bildungs- und Gesellschaftspolitk aufgezeigt und durchgesetzt werden. Dem Einfluss der maßgeblichen politischen und ökonomischen Interessen im Bildungsbereich setzen wir unsere Alternativen entgegen:

* selbstbestimmtes Lernen und Leben statt starrem Zeitrahmen, Leistungsdruck und Konkurrenzdruck,
* freier Bildungszugang und Abschaffung von sämtlichen Bildungsgebühren wie Studiengebühren, Ausbildungsgebühren und Kita-Gebühren,
* öffentliche Finanzierung des Bildungssystems ohne Einflussnahme der Wirtschaft unter anderem auf Lehrinhalte, Studienstrukturen und Stellenvergabe
* und Demokratisierung und Stärkung der Mit- und Selbstverwaltung in allen Bildungseinrichtungen.

Wir, die Projektgruppe Bildungsstreik 2009, rufen zur Bildung regionaler und lokaler Bündnisse auf. Bringt Euch in unsere bundesweiten Planungen ein: Ein anderes Bildungssystem ist möglich – und dringend nötig!

Projektgruppe Bildungsstreik 2009

http://www.bildungsstreik2009.de
http://hu.bildungsstreik-berlin.de

2 Reaktionen zu “Ein anderes (Bildungs-) System ist nötig!”

  1. Studi7000

    „nicht mehr gemeinwohlorientiert“

    War das früher denn wirklich schon mal anders?

  2. Liberale Hochschulgruppe (LHG)

    Zahlreiche Teilnehmer des Bildungsstreiks haben heute Nachmittag in Berlin ihr wahres Gesicht gezeigt. Sie machten der Liberalen Hochschulgruppe deutlich, dass kritische Stimmen zum Bildungsstreik an der Humboldt-Universität nicht erwünscht sind.

    Gut zwanzig Demonstrationsteilnehmer von der Potsdamer und den Berliner Liberalen Hochschulgruppen, den JuLis Berlin und dem RCDS von Freier und Humboldt-Universität fanden sich am Nachmittag auf dem Bebelplatz gegenüber dem Hauptgebäude der Humboldt-Universität ein. Etwa einhundert Bildungsstreiker erwarteten uns „reaktionäre“ Demonstranten dort schon,
    ausgerüstet mit Transparenten, auf die unsere „Bildungs-Chancen statt Kampf und Streik“-Flyer zusammen mit dämlichen Sprüchen wie „Bildung nur für Königs-Kinder“ gedruckt wurden. Im Namen der LHG wurden laute Schlachtrufe wie „Bildung den Reichen statt für den Pöbel“ gebrüllt. Halbwegsstichhaltige Argumente gegen unsere Sozialismus-Kritik gab es keine.

    Deutlich zeigten die Bildungsstreiker uns, dass der Demonstrationszug der Liberalen Hochschulgruppe nicht toleriert und ungestört ziehen gelassen wird. Dutzende Personen wollten sich unter unsere Gruppe mischen und an unserer Seite auf dem Weg zum Roten Rathaus angebliche LHG-Aussagen gröhlen. Wir seien gegen freien Zugang zu Bildung für alle Gesellschaftsschichten und würden uns nur Reiche in Gymnasien und Hochschulen wünschen, so unterstellt man es uns. Dass Behauptungen wie diese jeder Grundlage entbehren, wissen die Bildungsstreiker scheinbar nicht. Und sie wollten es heute Nachmittag auch gar nicht wissen.

    Toleranz und kontroverse Diskussionen scheinen Fremdwörter für die zu sein, die am lautesten nach gleichen Rechten für alle schreien. Gleiche Rechte für alle, die ihre Meinung teilen.

    Schließlich mussten wir die Polizei um Hilfe bei der Trennung von Bildungsstreikern und LHG-Demonstranten bitten. Auf dem Weg zum Roten Rathaus erhielten wir Zustimmung von Passanten, nachdem diese erkannten, dass wir keiner der üblichen Bildungsstreik-Demonstrationszüge sind. Wir konnten zahlreichen Flyer verteilen.

    Einige Minuten nach uns traf schließlich die „falsche LHG“ vor dem Roten Rathaus ein. Die teilnehmenden Bildungsstreiker zogen mit Megaphonen und hetzerischen Bannern hinter uns her und zeigten ganz offen, dass sie unsere Vorstellungen zur Bildungspolitik bewusst falsch wiedergeben und unsere Demonstration gegen die sozialistische Revolution in Deutschland nicht hinnehmen.

    Austeilen können die Bildungsstreiker bestens. Sie verteufeln alles, was nicht ihrem Bild von der heilen Welt entspricht, in der alles jedem und jederzeit ohne Gegenleistung zur Verfügung steht. Dagegen, Dagegen, Dagegen. Das scheint ihre Devise zu sein. Konstruktive Kritik suchte man am Nachmittag vergebens.

    Selbige einstecken – oder diese im Fall unserer kleinen Demo einfach an sich vorbeiziehen lassen – können oder wollen die Bildungsstreiker schon gar nicht, das stellen sie heute Nachmittag beeindruckend zur Schau.

    Wir von der LHG können alle Studenten, die auch nur halb so kritisch denken können, wie es die Linken in der Universität immer von ihnen fordern, nur nachdrücklich davon abraten, sich an diesem Bildungsstreik zu beteiligen. Die (in vielerlei Hinsicht richtigen – das betonen wir hier nochmals!) bildungspolitischen Forderungen der Bildungsstreikenden werden überdeckt von radikalen, intoleranten und kollektivistischen Ansichten, die durch Stör-Aktionen wie die gegen die LHG heute Nachmittag ganz offen zur Schau gestellt werden.

    Wer an diesem Bildungsstreik teilnimmt, lässt sich von links außen für Forderungen und Meinungen instrumentalisieren, die er wahrscheinlich nicht im Ansatz teilt. Wunderbar rundet dieses Bild die folgende Meldung ab, die heute um 14.40 Uhr von den linken Kämpfern über den Bildungsstreik-Ticker geschickt wurde.

    „Berlin: LHG unterstützt

    Heute hatte die LHG zusammen mit den Hässchen vom RCDS in Berlin zu einer Streikbrecher-Demo aufgerufen um gegen einen gewissen Bildungsstreik zu demonstrieren. Da diese Gruppen nur etwa 20 Menschen mobilisieren konnten, wurden sie spontan von etwa 100 Menschen aus der Humboldt-Uni in übertriebener Solidarität unterstützt. \“Elite für alle!\“ und andere Slogans gegleiteten die LHG bis zu ihrem Demoabschluss.

    Dienstag – 16.06.2009 14:40″

    Wie aus dem Lehrbuch demonstrierten die Bildungsstreiker heute die Intoleranz kollektivistisch ausgerichteter Zusammenschlüsse gegenüber Andersdenkenden.

    Und alle machen sie offiziell mit: Die Grüne Jugend, die JuSo-Hochschulgruppen, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die DGB-Jugend, die ver.di-Jugend, zahlreiche von den Studenten gewählte Allgemeine Studierendenausschüsse und unzählige andere Organisationen, die nicht nur vom linken Rand kommen.

    Studenten der Humboldt-Universität, zeigt diesen Leuten die Rote Karte!