{"id":1022,"date":"2009-05-05T00:55:47","date_gmt":"2009-05-04T22:55:47","guid":{"rendered":"http:\/\/abriss-berlin.de\/blog\/?p=1022"},"modified":"2010-01-31T02:03:12","modified_gmt":"2010-01-31T00:03:12","slug":"der-1-mai-und-keiner-will-es-gewesen-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/?p=1022","title":{"rendered":"Der 1. Mai und keiner will&#8217;s gewesen sein"},"content":{"rendered":"<p>Das Geschrei ist gro\u00df. Der Linkenchef distanziert sich von dem Anmelder der revolution\u00e4ren Maidemo &#8211; einer aus seinen Reihen &#8211; und droht ihm mit \u201eDisziplinierungsverfahren\u201c. Auch einer Frau, der Hexe Babajaga, droht \u00c4rger von ihm pers\u00f6nlich.  \u201eDie Polizei ist zum Schutz f\u00fcr alle B\u00fcrger da, wir distanzieren uns von der Gewalt gegen die gr\u00fcne Staatsmacht.\u201c \u2013 so die Regierungslinke. Nun ist noch einmal der Augenblick, vielleicht der letzte, an dem man innehalten und den Kopf einschalten darf. Wer ist im Land Berlin verantwortlich f\u00fcr die Situation? Wer setzt die Bundespolitik durch und r\u00fchmt sich noch, es irgendwie \u201elinks\u201c zu machen? Was ist noch wirklich links? Die Privatisierung des Gemeinwesens, die Durchsetzung von Hartz IV, die Idee, das Wachstum den Sozialstaat rettet?<\/p>\n<p>Und dann gibt man das Spielzeug des <em>B\u00fcrgerbegehrens<\/em> an das Volk und dann spielen die auch wirklich damit. Aber sobald der Bewohner schlauer ist als die Politik, Spreeufer f\u00fcr alle fordert und die Privatisierung bis zum Ufer verhindern will, ja dann wird geblockt und gedroht und sich sch\u00fctzend vor die Investoren gestellt. Wem geh\u00f6rt die Stadt? Wessen Interessen werden gesch\u00fctzt? Wer darf in Zukunft noch hier wohnen?<\/p>\n<p>Liebe Linke in Regierungsfunktion, ihr tragt Verantwortung f\u00fcr diese Situation. Glaubt ihr wirklich, dass mit Ethikunterricht  und Gesamtschule der aktuellen Lage Rechnung getragen werden kann? Kennt ihr die Perspektivlosigkeit der Jugendlichen, deren Eltern von Hartz IV leben und sich daf\u00fcr sch\u00e4men, kennt ihr die Situation der MigrantInnen mit und ohne Papiere, wisst ihr, wie die Alten aussortiert und versteckt werden? Kennt ihr die t\u00e4glichen Repressionen auf dem Jobcenter, denen 300 Tausend sogenannte Bedarfsgemeinschaften t\u00e4glich ausgesetzt sind, ganz zu schweigen von den N\u00f6ten und \u00c4ngsten der prek\u00e4r Besch\u00e4ftigten? Noch lassen sich das Viele gefallen und k\u00f6nnen \u00fcber ihre Scham nicht hinwegschauen, sind isoliert, anonym und einsam.<\/p>\n<p>Die Gewalt gegen Bullen trifft eigentlich euch, denn sie sind nur die Befehlsempf\u00e4nger, die ihr daf\u00fcr bezahlt, eure Ordnung durchzusetzen. Noch ahnt ihr nicht, wieviel Energie aus der Ohnmacht erwachsen kann, was Massen bewegen werden. Haltet inne in der schnellen Verurteilung eurer eigenen GenossInnen. Es gab eine Zeit, da spracht auch ihr von Kapitalismus; seitdem ihr in dem Laden mitspielt, \u00fcbernehmt ihr zunehmend auch die Rituale von Abgrenzung, Militanzdebatte und Disziplinierung der eigenen Reihen.<\/p>\n<p>Sch\u00e4mt euch. Stellt euch der Diskussion, \u00f6ffentlich &#8211; oder m\u00fcssen wir euch noch mehr vor uns her treiben!?<\/p>\n<p>Soziale Ver\u00e4nderung wird nur \u00fcber die Formen des Zivilen Ungehorsams zu haben sein und der kann nicht von oben kontrolliert werden. Aber die Distanzierungen und Disziplinierungsversuche lassen euch zur\u00fcck und werden euch \u00fcberrollen. Der linken Idee einer anderen Welt wird das nicht schaden, aber Jeder, der zur\u00fcckgelassen wird, bleibt traurig in der Ecke liegen. Das wollen wir nicht. Auch Du, Genosse, kannst den Laden aufr\u00e4umen. Solidarisiere Dich mit den \u00c4ngsten, den N\u00f6ten und der Wut der an den Rand der Gesellschaft gedr\u00e4ngten, ausgeschlossenen, \u00fcberfl\u00fcssigen, ohnm\u00e4chtigen  Mitb\u00fcrgerInnen und hetze  nicht Deine bezahlten Vollstrecker des Systems, das uns alle trennt und zu Feinden macht, auf das Pfl\u00e4nzchen des Aufbegehrens los! Die Grenzen zwischen uns sprengen und dem Kapitalismus als Organisationsprinzip keine Chance mehr geben. Nicht ich bin der Feind, nicht Du bist der Feind, nicht sie ist der Feind, sondern Dein Handeln verursacht die Armut und Ausgrenzung.<\/p>\n<p>Sei einmal so mutig wie der Junge, der einen Stein wirft und daf\u00fcr sehr viel riskiert: K\u00fcndige alle Cross Border Leasing Vertr\u00e4ge und gib uns einen Berliner Risikoschirm gegen Armut! Dein Einsatz ist gefragt und nicht Deine Schei\u00dfverurteilungsdisziplinierungsandrohung. Ihr seid nur noch acht, wir sind Achtmilliarden und wir sind gekommen, um euch zu entmachten.<\/p>\n<p>\u201eWer seine soziale Lage erkannt hat, wie soll der noch zu stoppen sein\u201c sagte Brecht. Ihr m\u00fcsst euch entscheiden, welche soziale Lage ihr sch\u00fctzt: Wachstum, Investoren und Regierungshandeln oder Zukunft, Gerechtigkeit, Solidarit\u00e4t? Ja und das f\u00e4ngt genau bei diesem Steinwurf an. Wer die Wahrheit erkennt und den Mut hat, daf\u00fcr einzustehen, ist vielleicht auch manchmal hilflos, aber sie ist entschlossen. Ihr steht entweder im Weg oder habt ein Recht auf eure eigenen Erfahrungen &#8211; aber in welchen Interessen ihr handelt, daf\u00fcr seid ihr selbst verantwortlich.<\/p>\n<p>Der gute Rat aus der Nachbarschaft<\/p>\n<p><em> von der Osthexe<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Geschrei ist gro\u00df. 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