{"id":1030,"date":"2009-05-24T12:02:53","date_gmt":"2009-05-24T10:02:53","guid":{"rendered":"http:\/\/abriss-berlin.de\/blog\/?p=1030"},"modified":"2009-05-24T13:04:26","modified_gmt":"2009-05-24T11:04:26","slug":"zivilcourage-a-la-ny-im-bethanien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/?p=1030","title":{"rendered":"Zivilcourage \u00e0 la NY im Bethanien"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zur Situation der derzeit im Bethanien untergekommenen Roma-Familien<\/strong><\/p>\n<p>In Berlin wird dieser Tage \u201e60 Jahre Grundgesetz\u201c gefeiert \u2013 f\u00fcr Roma in Berlin gilt \u201eDie W\u00fcrde des Menschen ist unntastbar\u201c anscheinend aber noch immer nicht.<\/p>\n<p>Seit Dienstag, dem 19. Mai 2009, leben \u00fcber 50 Roma im politischen Projektezusammenhang <a title=\"NewYorck im Bethanien\" href=\"http:\/\/www.newyorck.net\">NewYorck im Bethanien<\/a> in Kreuzberg. Am fr\u00fchem Dienstagmorgen gab es einen gr\u00f6\u00dferen Polizeieinsatz gegen die Familien, die seit einiger Zeit im G\u00f6rlitzer Park campierten. Dieser geschah unter dem Vorwand, gegen die \u201eVerwahrlosung\u201c der Kinder einschreiten zu m\u00fcssen. Anstatt jedoch Hilfsangebote zu machen, ging die Polizei rabiat vor und drohte den Familien, ihre Kinder wegzunehmen. Aufmerksame Passanten griffen ein und alarmierten weitere Menschen, Organisationen und umliegende Kirchengemeinden und organisierten erstmal eine \u00dcbersetzung. Es kam zu mehrst\u00fcndigen Verhandlungen mit der Polizei und einem Vertreter des Jugendamtes. Die ersten Stunden fanden diese an der Stra\u00dfe statt, w\u00e4hrend die Leute von der Polizei umstellt waren und keine Gelegenheit hatten, Essen f\u00fcr ihre Kinder zu holen, Toiletten aufzusuchen oder \u00c4hnliches. Erst auf Dr\u00e4ngen der Unterst\u00fctzenden war es schlie\u00dflich m\u00f6glich, auf das Gel\u00e4nde des Cabuwazi Kinderzirkus auszuweichen.<\/p>\n<p>Aus Angst vor weiteren Repressionen wurden die st\u00e4dtischen Angebote f\u00fcr eine Unterbringung von den Familien zun\u00e4chst abgelehnt. Um die Situation zu entsch\u00e4rfen, bot die NewYorck im Bethanien an, die Familien f\u00fcr zwei bis drei Tage unterzubringen und so Zeit f\u00fcr die Suche nach einer guten L\u00f6sung zu schaffen. Der Vertreter des Jugendamtes k\u00fcndigte an, die Unterbringung am n\u00e4chsten Tag auf ihre Eignung f\u00fcr Kinder zu pr\u00fcfen. Ein Runder Tisch f\u00fcr die L\u00f6sung der Probleme wurde abgesprochen.<\/p>\n<p>Am Mittwoch best\u00e4tigten Vertreter des Sozial- und Jugendamtes die Eignung der R\u00e4ume, erkl\u00e4rten sich jedoch f\u00fcr konkrete Hilfen bei der Versorgung der Familien f\u00fcr nicht zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Obwohl sich schnell Personen und Organisationen zu einem \u00fcbergreifenden Unterst\u00fctzungsplenum zusammenschlossen und die NewYorck bei der Versorgung der Familien unterst\u00fctzen, war die NewYorck mit der Unterbringung \u00fcber einige Tage hinaus \u00fcberfordert. F\u00fcr die Familien waren die beengten Verh\u00e4tnisse sehr stressig und nicht \u00fcber l\u00e4ngere Zeit zumutbar. Bis Freitagmorgen entwickelten sich keine neuen L\u00f6sungsans\u00e4tze von Seiten der Stadt. Die Familien und ihre Unterst\u00fctzenden besuchten die Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (Die Linke), um mit Ihr \u00fcber eine L\u00f6sung vor dem Wochenende zu reden.<\/p>\n<p>Das Angebot der Senatorin, die Menschen im \u201eAusreiselager\u201c in der Motardtstrasse unterzubringen, lehnten die Roma aufgrund der menschenunw\u00fcrdigen Umst\u00e4nde dort ab. Eine Lagerunterbringung  ist nicht geeignet, Menschen in der europ\u00e4ischen Gesellschaft ein selbst\u00e4ndiges und selbstbestimmtes Leben zu erm\u00f6glichen. Auch angesichts der deutschen Geschichte mit ihrer  Verfolgung und Vernichtung der Sinti und Roma in Deutschland und Europa sollte sich eine Lagerunterbringung sebstverst\u00e4ndlich verbieten. (Weitere Informationen zur Motardstra\u00dfe finden sich <a title=\"Motardstra\u00dfe\" href=\"http:\/\/www.chipkartenini.squat.net\/Archiv\/aktionen\/berichte\/Motardstra%dfe%20-%20Materialien\/Motardstrasse-Materialien.html\">hier<\/a>.)<\/p>\n<p>Im Laufe dieses Gespr\u00e4ches entwickelte sich erstmals eine tempor\u00e4re L\u00f6sung in anderen R\u00e4umlichkeiten des Bethanien bis zum Montag. Seit Sonnabend jedoch rudern die Bezirks- und Senatsvertretungen von einer politischen L\u00f6sung zur\u00fcck und konstruieren ein privates Problem der Unterst\u00fctzenden. Das w\u00fcrde jedoch die Familien und ihre Kinder in die Situation, wie sie vor dem Polizeieinsatz bestand, zur\u00fcckwerfen.<\/p>\n<p>Wir hoffen, dass alle politischen Kr\u00e4fte die Situation der Kinder und ihrer Eltern ernst nehmen und am Montag am Runden Tisch zu einer einvernehmlichen L\u00f6sung finden.<\/p>\n<p>Wir fordern die politische \u00d6ffentlichkeit auf, nicht nur im Europawahlkampf markige Spr\u00fcche zu plakatieren, in denen ein gemeinsames Europa beschworen wird, sondern auch in diesem ganz konkreten Konflikt f\u00fcr die Roma-Familien angemessene Lebensbedingungen hier bei uns in Berlin zu schaffen. Dazu geh\u00f6ren zumindestens eine feste Wohnm\u00f6glichkeit, eine Meldeadresse, soziale und medizinische Versorgung und der Schul- und Kindergartenbesuch der Kinder sowie eine finanzielle Unterst\u00fctzung im Rahmen der Hilfe f\u00fcr besondere Lebenslagen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Situation der derzeit im Bethanien untergekommenen Roma-Familien In Berlin wird dieser Tage \u201e60 Jahre Grundgesetz\u201c gefeiert \u2013 f\u00fcr Roma in Berlin gilt \u201eDie W\u00fcrde des Menschen ist unntastbar\u201c anscheinend aber noch immer nicht. Seit Dienstag, dem 19. Mai 2009, leben \u00fcber 50 Roma im politischen Projektezusammenhang NewYorck im Bethanien in Kreuzberg. 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