{"id":1048,"date":"2009-08-26T18:13:12","date_gmt":"2009-08-26T16:13:12","guid":{"rendered":"http:\/\/abriss-berlin.de\/blog\/?p=1048"},"modified":"2010-01-30T23:38:39","modified_gmt":"2010-01-30T21:38:39","slug":"victim-vera-befreit-kreuzberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/?p=1048","title":{"rendered":"Victim Vera befreit Kreuzberg"},"content":{"rendered":"<p><em>Dieser Beitrag \u00fcber den virtuellen Befreiungskampf der virtuosen Vera Lengsfeld wurde uns vom \u201eKommando Tolerantes Bebra\u201c zugespielt. Die Red., i.A. Ostprinzessin.<br \/>\n___________<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><strong>\u201eFreiheit und Fairness statt Gleichheit und Gerechtigkeit\u201c<span style=\"font-size:24px\">*<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Die ehemalige B\u00fcrgerrechtlerin Vera Lengsfeld h\u00e4lt in Friedrichshain-Kreuzberg die letzte Bastion gegen den Untergang des Abendlandes<\/p>\n<p>\u201eDie intolerante, dogmatische linke Szene ist zwar l\u00e4ngst marginalisiert, ohne jeden R\u00fcckhalt in der Bev\u00f6lkerung. Sie beherrscht aber nach wie vor die Medien. Leider.\u201c Diese knallharte, mutige Analyse kann man im Wahlkampf-Blog von Vera Lengsfeld nachlesen, die sich zur Zeit als Direktkandidatin f\u00fcr den Splitterverband der CDU in Friedrichshain-Kreuzberg versucht. Als dogmatische Linke tun wir nun dies, was von uns erwartet wird, und machen uns ein paar intolerante Gedanken zu Frau Lengsfeld. Da wir die Medien beherrschen, wird es uns ein Leichtes sein, ihren erneuten Einzug in den Bundestag zu verhindern und sie endlich g\u00e4nzlich zu marginalisieren.<\/p>\n<p>Vera Lengsfeld war seit den 70er Jahren in der DDR-Opposition aktiv und deswegen auch immer wieder Opfer verschiedener Repressionsma\u00dfnahmen. 1988 wurde sie aus der DDR abgeschoben, kehrte kurz darauf zur\u00fcck und wurde in der so genannten Wendezeit f\u00fcr die DDR-Gr\u00fcnen Mitglied der Volkskammer. Sp\u00e4ter ging sie f\u00fcr das B\u00fcndnis 90 in den Deutschen Bundestag, dessen Mitglied sie bis 2005 blieb. Zwischendurch wechselte sie die Seiten und wurde 1996 Mitglied der CDU-Bundestagsfraktion, angeblich weil ihr die Gr\u00fcnen zu PDS-nah waren. Und nun will sie wieder f\u00fcr die CDU ins Parlament. Als besonders chancenreich wird ihr Antritt von der Partei allerdings nicht gesehen. Sonst h\u00e4tte sie Frau Lengsfeld sicherlich eine vern\u00fcnftige Homepage spendiert, CDU-Gr\u00f6\u00dfen wie Christian Wulff w\u00fcrden sich nicht im Fernsehen \u00fcber ihre Wahlkampagne mokieren und ihr Wahlkampfmanager h\u00e4tte nicht einfach hingeschmissen.<\/p>\n<p>Die ehemalige B\u00fcrgerrechtlerin, die sich heute einen konservativen Anstrich gibt, verarbeitet nun bei jeder sich bietenden Gelegenheit ihre DDR-Vergangenheit. Dies ist nicht nur legitim, sondern st\u00fcnde vielen anderen Pers\u00f6nlichkeiten auch gut zu Gesicht. Leider sieht diese Verarbeitung bei Frau Lengsfeld so wirr aus, dass sie alles, was sie als \u201elinks\u201c definiert, irgendwie mit der SED bzw. der PDS gleichsetzt, und das alles irgendwie in einem gro\u00dfen weltkommunistischen Zusammenhang einordnet. So kann man in ihrem Wahlkampfblog dann auch die unterschiedlichsten Variationen konservativ-vermiefter Abneigung gegen alles \u201eLinke\u201c lesen, die \u2013 typisch f\u00fcr dieses Milieu \u2013 aus dem Zusammenreimen unterstellter B\u00f6sartigkeiten besteht, die allesamt den Untergang des Abendlandes als alleiniges Ziel haben. Der Konservative an sich sieht sich in diesem Zusammenhang als aufrechten K\u00e4mpen im Grabenkampf gegen die linken Horden, die sich in Gestalt von Lafontaine, s\u00fcdamerikanischen Guerrillas, der PDS, Autonomen oder den 68ern daran gemacht haben, seinen Stammtisch zum Volkseigentum zu erkl\u00e4ren bzw. sein letzten Samstag gewaschenes Auto anzukokeln.<\/p>\n<p>So versucht Frau Lengsfeld in einem Text von 2007 sich mit der Person Oskar Lafontaine auseinanderzusetzen. Dabei wirft sie, basierend auf angeblichen \u00c4u\u00dferungen Lafontaines zu den sozialistischen Ostblockstaaten, \u201eder Linken\u201c vor, sich \u201eaus der Verantwortung f\u00fcr ihre Geschichte\u201c stehlen zu wollen. Schlie\u00dflich, und hier hat Frau Lengsfeld gut aufgepasst, wurden dort Menschen unter dem Label \u201eSozialismus\u201c traktiert, misshandelt und umgebracht. Sich damit auseinanderzusetzen, ist angebracht und wird vielfach getan. Der Schuldzuweisungskitsch lengsfeldscher Pr\u00e4gung allerdings ist aufgeblasenes Geplapper. Denn wenn es Frau Lengsfeld um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit historischen Zusammenh\u00e4ngen ginge, h\u00e4tte sie nicht Friedrich-August von Hayek zu ihrem \u201eLieblingsdenker\u201c erkoren, wie es auf ihrer Internetseite nachzulesen ist. Wenn es Frau Lengsfeld um gefolterte und ermordete Menschen ginge, w\u00fcrde sie sich mit der Ideologie ihres \u201eLieblingsdenkers\u201c auseinandersetzen, die die autorit\u00e4ren Regime Lateinamerikas zur Doktrin erhoben und Hand in Hand mit den J\u00fcngern von Hayeks und Friedmans Abertausende Menschen folterten und ermordeten. Wo ist denn da \u201edie Verantwortung\u201c der Neoliberalen f\u00fcr ihre Geschichte? Aber um solche Spitzfindigkeiten geht es Frau Lengsfeld gar nicht, ihr geht es angeblich um \u201eFreiheit\u201c. In ihrem Blog hei\u00dft es: \u201eAls Bundestagskandidatin trete ich daf\u00fcr ein, dass wir alle \u2013 Ost- und Westdeutsche \u2013 einen starken, einen vollentwickelten Begriff von Freiheit erobern m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>Wie Frau Lengsfeld selbst es mit der Freiheit h\u00e4lt, wurde Mitte der 90er Jahre deutlich. Damals ver\u00f6ffentlichten Wiglaf Droste und Gerhard Henschel den heiteren Fortsetzungsroman \u201eDer Barbier von Bebra\u201c in der <em>taz<\/em>. In dieser Geschichte geht ein geheimnisvoller M\u00f6rder im Nachwende-Deutschland um, der unter Anderem einige B\u00fcrgerrechtler auf phantasievolle Weise umbringt, nachdem er ihnen die B\u00e4rte gestutzt hat. Neben Wolfgang Thierse (Klarinette in der Gurgel) m\u00fcssen auch Rainer Eppelmann (Beton an den F\u00fc\u00dfen) und J\u00fcrgen Fuchs (in Shampoo ertr\u00e4nkt) dran glauben. Frau Lengsfeld fand das alles gar nicht witzig und weil \u201eFreiheit\u201c anscheinend nur gilt, wenn sie Frau Lengsfeld gerade in den Kram passt, versuchte sie allen Ernstes einen Boykott der <em>taz<\/em> anzuzetteln. Das Vorhaben ging aber in die Hose, denn die Anh\u00e4ngerschaft Lengsfelds hielt sich auch damals schon in Grenzen. Wahrscheinlich war das Ganze auch gar nicht politisch gemeint und Frau Lengsfeld nur stinkig, weil sie, die wichtigste Freiheitsk\u00e4mpferin der Welt, nicht in dem Roman vorkam.<\/p>\n<p>Wenn Frau Lengsfeld sich schon um die Freiheit der Kunst und der Presse nicht zu scheren scheint, wie h\u00e4lt sie es mit anderen Grundrechten? Zum Protesttag rund um den stillgelegten Flughafen Tempelhof im Juni dieses Jahres hei\u00dft es in ihrem Wahlkampf-Blog:<\/p>\n<p><em>\u201eEtwa 1,8 Millionen Euro hat nach Sch\u00e4tzungen der Polizeigewerkschaft am letzten Wochenende der Polizeieinsatz zum Schutz des gesperrten Flughafens Tempelhof gekostet. Geld, das f\u00fcr die Kreuzberger Schulen und Integrationskurse, die Friedrichshainer Kitas, die Bibliotheken in Prenzlauer Berg fehlt. Aber was soll&#8217;s. Die Leute, die diese Kosten verursacht haben, hatten ihren Spa\u00df. Sie haben sich mit der Polizei ein Katz-und-Maus-Spiel geliefert. Viele Polizeibeamte mussten das Wochenende getrennt von ihren Familien verbringen, die Kosten des Polizeieinsatzes tr\u00e4gt der Steuerzahler.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Demonstrationen und Kundgebungen sind  f\u00fcr Lengsfelderianer also kein zu verteidigendes Grundrecht, sondern Kostenfaktoren, die dar\u00fcber hinaus die armen Schutzm\u00e4nner um das entspannte Wochenende bringen. Wahrscheinlich marschieren \u201elegitime\u201c Demonstranten nach solchen Vorstellungen nur in Reih und Glied und haben am besten noch ein blaues Hemd an. Ganz sch\u00f6n verdreht kommen auch andere historisch-politische Analysen im Blog von Frau Lengsfeld daher. In einem Text \u00fcber \u201eFreir\u00e4ume\u201c wird genau geschildert, was \u201eExtremisten\u201c machen m\u00fcssen, damit der Staat geschw\u00e4cht wird. (Hoffentlich liest diese detaillierte Anleitung jetzt kein Extremist und schw\u00e4cht danach den Staat):<\/p>\n<p><em>\u201eWichtig ist: Die Polizei und die Justiz m\u00fcssen durch weit gestreute, praktisch nicht mehr beherrschbare Einzelaktionen an der Erf\u00fcllung ihrer Kernaufgaben gehindert werden! In die so erk\u00e4mpften Freir\u00e4ume sickern Drogenh\u00e4ndler, links- und rechtsextreme bewaffnete Kr\u00e4fte ein, der Staat zieht sich zur\u00fcck. Dieses Rezept funktioniert, es hat seine Tauglichkeit wieder und wieder unter Beweis gestellt \u2013 in Russland im Jahr 1917 nach der Februarrevolution, in s\u00fcdamerikanischen Staaten heute, und sogar in unserem schnuckligen, kleinen und feinen Kreuzberg.\u00a0 In der Hasenheide ist das so, im K\u00fcnstlerhaus Bethanien auch. Ist das nicht sch\u00f6n? Wir sind doch Eine Welt!\u201c<\/em><\/p>\n<p>Das Ganze ist nat\u00fcrlich konstruierter Quatsch. Allerdings wird es g\u00e4nzlich abstrus, wenn die samtpf\u00f6tigen Bethanien-Bewohner mit bewaffneten Gangs in den Slums s\u00fcdamerikanischer St\u00e4dte gleichgesetzt werden. Doch nicht nur dies. Weil die \u201eFreiraum\u201c-Bewohner des Bethanien nicht in die idealisierte Datschenwelt passen, wird einfach die Tatsache ignoriert, dass sie Mietvertr\u00e4ge haben und man r\u00fchrt sich schnell eine Geschichte mit \u201eExtremisten\u201c zurecht. Also wieder mal typisch \u201ekonservativ\u201c: Auf die Fakten schei\u00dfen und sich die Realit\u00e4t so garstig hinbiegen, wie man sie gerade braucht. Deswegen kandidiert Frau Lengsfeld doch im angeblich so linken Friedrichshain-Kreuzberg. Wo man noch angeraunzt wird, wenn man kriegsheldenhaft einen CDU-Sonnenschirm aufstellt, wo dieser Splitterpartei nur von wenigen aufrechten M\u00fctterlein und ein paar Milchb\u00e4rten der Jungen Union die Stange gehalten wird, wo brave CDUler sich als Opfer f\u00fchlen k\u00f6nnen \u2013 genau da ist Frau Lengsfeld berufen, sich schrill und selbstlos aufzuopfern f\u00fcr die Freiheit der verfolgten Konservativen. Denn wo keine Feinde sind, da k\u00f6nnte sie nicht st\u00e4ndig als Verteidigerin und Bewahrerin und Mahnerin und was sonst noch alles gehen \u2013 Stahlgewitter von Mexico City bis Kreuzberg und Lady Liberty vorweg, verteidigend, bewahrend und mahnend.<\/p>\n<p><strong>*<\/strong>Wahlkampfmotto von Vera Lengsfeld. Dessen Sinn bitte bei Frau Lengsfeld selbst erfragen.<br \/>\n___________<\/p>\n<p><em>Da dieser Text ohne Hinweis auf das bl\u00f6de Dekollet\u00e9-Wahlplakat von Vera Lengsfeld auskommt, sei hier der Kalauer gebracht, dass die CDU im Bezirk schon f\u00fcr bessere Sp\u00e4\u00dfe zu haben war: <a title=\"(Berliner Morgenpost) Porno-Aff\u00e4re ersch\u00fcttert die CDU in Kreuzberg\" href=\"http:\/\/www.morgenpost.de\/printarchiv\/berlin\/article180958\/Porno_Affaere_erschuettert_die_CDU_in_Kreuzberg.html\">Porno-Aff\u00e4re ersch\u00fcttert die CDU in Kreuzberg<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Beitrag \u00fcber den virtuellen Befreiungskampf der virtuosen Vera Lengsfeld wurde uns vom \u201eKommando Tolerantes Bebra\u201c zugespielt. Die Red., i.A. 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