{"id":1071,"date":"2009-09-05T23:12:45","date_gmt":"2009-09-05T21:12:45","guid":{"rendered":"http:\/\/abriss-berlin.de\/blog\/?p=1071"},"modified":"2013-07-08T18:47:57","modified_gmt":"2013-07-08T16:47:57","slug":"der-mauerpark-als-spielwiese","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/?p=1071","title":{"rendered":"Der Mauerpark als Spielwiese"},"content":{"rendered":"<p><strong>Warum \u201e<a title=\"&quot;unansehnliche Brachen&quot; (Zitat: B\u00fcrgerinitiative Mauerpark Fertigstellen)\" href=\"http:\/\/www.mauerpark-fertigstellen.de\">Unansehnliches<\/a>\u201c unertr\u00e4glich und zwingend zu beseitigen ist<\/strong><\/p>\n<p>Ein Ort, der nicht mehr mit vertrauten, erprobten und durchaus gew\u00f6hnlichen gesellschaftlichen Strukturen und Prozessen belegt ist, hat keine Existenzberechtigung in einer \u00fcberaus verwertungsgesteuerten Gesellschaft. Er ist das Negativ einer auf Nutzbarmachung und Zweckbestimmtheit ausgerichteten Denk- und Handlungsweise. Solch ein Umstand \u2013 mitten im urbanen Raum \u2013 gilt es alsbald zu entfernen. Verschiedenste soziale Gruppen und Milieus unternehmen Versuche der Integration. Der Prozess der R\u00fcckeroberung verlorener Gebiete beginnt. Neuland entsteht w\u00e4hrend dieses Vorgangs allerdings keines \u2013 wie auch, wenn es bereits vorhanden war, als unansehnlich und wertlos klassifiziert und abgetan wurde. Die Beschl\u00fcsse liegen vor: Die Einen wollen H\u00e4user, die Anderen wollen Rasen &#8211; so soll es sein.<\/p>\n<p>Es mag verwundern und schockieren, auf funktionslose, sich selbst \u00fcberlassene Orte inmitten starker Verdichtungsr\u00e4ume zu treffen. Denn die konzeptionelle, zwanghafte Enge der Steinernen Stadt gestattet nun einmal kein Ausscheren im Denken und Handeln. Demnach k\u00f6nnen die Bruchstellen \u2013 Ruinen und Brachen \u2013 Berlins, die an vielen Ecken vorhanden und zu sehen sind, \u00fcberhaupt gar nicht erfasst und in ihren Eigenschaften erkannt werden. Stattdessen wird unerm\u00fcdlich in geistiger Enge verfahren und das Bem\u00fchen unternommen, einen kontrollierbaren Zustand auf diesen Gebieten zu reaktivieren \u2013 speziell im Mauerpark: Eine beherrschbare Installation zur St\u00e4rkung (Bebauung) bzw. \u00dcberwindung (Gr\u00fcnfl\u00e4che) strukturell geschaffener sozialer Parallelit\u00e4t.<\/p>\n<p>Die Orte der Leere verk\u00f6rpern Prozesse praktischer und symbolischer Entstrukturierung \u2013 sie zeigen Gegebenheiten, die keine l\u00fcckenlose und widerspruchsfreie Projektion erlauben. Niemand  spiegelt sich gerne in verrufenen, degradierten und verwundeten (Stadt-) R\u00e4umen \u2013 ein Verh\u00e4ltnis scheint nicht m\u00f6glich, denn es impliziert eine zu massive Hinterfragung der Konzeption moderner Gesellschaft, die nach wie vor von Wachstumsbestreben und Erwerbsarbeitsfetischismus heimgesucht wird. Ein Gebiet wie das am Mauerpark ist Kehrseite und Konsequenz der Wachstumsorientierungen, es handelt sich um eine offene Stelle, die durch Abwesenheit und fehlende Ablenkungen (Werbung und Menschen) gekennzeichnet ist.<\/p>\n<p>Leere und L\u00fccke im urbanen Raum sind ein wertvoller, bedrohter und auch bedrohender Optionsraum, in dem es nicht um Aneignung, sondern um Austausch geht. Weder Dauerhaftigkeit noch \u00fcberbordende Raumvorstellungen \u2013 die Einen wollen ihre Ideen in Beton gie\u00dfen, die Anderen wollen die ihnen widerstrebenden und unansehnlichen Verh\u00e4ltnisse unter einen Rasenteppich kehren \u2013 erscheinen angebracht. Vielmehr handelt es sich um einen Raum, der frei bleiben muss, um prek\u00e4re Transformationen in erweiterte Denkformationen zu erm\u00f6glichen \u2013 ein Raum sichtbarer Widerspr\u00fcche, der eine konfrontierende Wirkung provoziert.<\/p>\n<p>Nichts ist leichter, als einen Ort mit fremden, an ihn herangetragenen Vorstellungen zu bedr\u00e4ngen und sein Wesen in Folge einer Vereinheitlichung und Besch\u00f6nigung zu vernichten. Am Ende freuen sich die Initiatoren \u2013 wer auch immer siegen wird \u2013 \u00fcber die Durchsetzung ihrer Raumkonzeption. \u00dcber die bis dato vorhandene Zwischen-Welt wird dann einfach nicht mehr gesprochen, da sie unbegreiflich und andersartig blieb. Aus den Augen, aus dem Sinn.<\/p>\n<p><em>Die andere Person<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum \u201eUnansehnliches\u201c unertr\u00e4glich und zwingend zu beseitigen ist Ein Ort, der nicht mehr mit vertrauten, erprobten und durchaus gew\u00f6hnlichen gesellschaftlichen Strukturen und Prozessen belegt ist, hat keine Existenzberechtigung in einer \u00fcberaus verwertungsgesteuerten Gesellschaft. Er ist das Negativ einer auf Nutzbarmachung und Zweckbestimmtheit ausgerichteten Denk- und Handlungsweise. Solch ein Umstand \u2013 mitten im urbanen Raum \u2013 [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[35],"tags":[],"class_list":["post-1071","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-enjoy-its-defect"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1071","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1071"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1071\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1073,"href":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1071\/revisions\/1073"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1071"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1071"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1071"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}