{"id":1263,"date":"2009-10-31T15:40:16","date_gmt":"2009-10-31T13:40:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/?p=1263"},"modified":"2013-07-08T18:46:40","modified_gmt":"2013-07-08T16:46:40","slug":"die-gefaehrdete-moderne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/?p=1263","title":{"rendered":"Die gef\u00e4hrdete Moderne"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die gef\u00e4hrdete\u00a0 Moderne &#8211; Geb\u00e4ude urbaner Neuordnung<\/strong><\/p>\n<p>Zahlreiche Geb\u00e4ude der Nachkriegsmoderne haben in den letzten Jahrzehnten massive Prozesse der Entwertung und der Zerr\u00fcttung durchlaufen &#8211; Verunstaltung und Abriss von denkmalgesch\u00fctzten Bauten sind l\u00e4ngst zur Normalit\u00e4t geworden. Der Mangel an Anerkennung dieser architektonischen Besonderheiten, sowie der defizit\u00e4re Umgang mit ihnen, symbolisiert die praktische Verwertungslogik einer durchweg vermarktungsgesteuerten Gesellschaft. Geb\u00e4ude und Gebiete, die von Prozessen des Ausgegrenztseins beherrscht werden, stehen exemplarisch f\u00fcr eine generelle Entwertungslogik, die Menschen in der schon l\u00e4ngst erodierten Arbeitsgesellschaft handlungsunf\u00e4hig macht, sozial isoliert und nachhaltig stigmatisiert. Allerdings liegen die Ursachen der Ausgrenzung so gut wie nie am Ort ihrer Erscheinung.<\/p>\n<p>Aktuell entziehen die traditionsorientierten und historisierenden Gesellschaftsdiskurse den Geb\u00e4uden urbaner Neuordnung einen Gro\u00dfteil ihrer Ausdruckskraft und \u00e4sthetischen Einmaligkeit. Den urspr\u00fcnglichen Intentionen und Konzeptionen dieser Bauk\u00f6rper, wie auch deren erhebliche Bedeutung f\u00fcr die stadt- und raumplanerische Gestaltung, wird damit im \u00f6ffentlichen Bewusstsein fast vollst\u00e4ndig der Boden entzogen. Licht, Luft und Sonne \u2013 die Merkmale der Moderne in der Stadtentwicklung \u2013 weichen vielerorts identit\u00e4ts- und heimatlosen Investorenprojekten in dichter Blockrandbebauung. Die Planungsmodelle f\u00fcr eine Stadt der Zukunft orientieren sich wieder vornehmlich an der Jahrhunderte lang praktizierten Stadtplanung und Bautradition, die sich insbesondere in der Steinernen Stadt des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts widerspiegelt.<\/p>\n<p>Die bauliche Verdichtung st\u00e4dtischen Raums, sowohl zur Rekonstruktion der traditionellen Stadtstruktur als auch zur Wiederherstellung historischer Fassaden und ganzer Geb\u00e4udekomplexe, blendet zunehmend die Zerst\u00f6rungen des Zweiten Weltkriegs und die darauf folgende Neuordnung urbanen Raums aus. Die Praxis, Geb\u00e4ude der Nachkriegsmoderne abzurei\u00dfen, Brachen und \u00f6ffentliche Freifl\u00e4chen zu entfernen, geht mit dem Versuch einher, sich der durch die NS-Herrschaft entstandenen Verantwortungen und der Folgen f\u00fcr die beiden deutschen Nachkriegsgesellschaften zu entledigen. Sich aufkl\u00e4rerischer Architektur zu verschlie\u00dfen oder sie gar zu entfernen und sich im Gegenzug romantisierenden Bauten hinzuwenden, oder diese wieder zu errichten, gibt ausf\u00fchrlich Auskunft \u00fcber die geistige Zukunftsf\u00e4higkeit dieser Gesellschaft.<\/p>\n<p>Die photographische Umsetzung sozialer Randst\u00e4ndigkeit anhand architektonischer Gebilde, die vornehmlich mit Prozessen der Isolation, Stigmatisierung und Abwertung belegt sind, erm\u00f6glichen es, einfache und gew\u00f6hnliche Bauten in Raum- und Zeitschiffe zu verwandeln, surreale Landschaften und fiktive \u00dcbergangsr\u00e4ume zu gestalten. Trotz massiver Zerr\u00fcttung k\u00f6nnen diese Geb\u00e4ude Visionen und Intentionen ihrer einstigen Daseinsberechtigung widerspiegeln. Dieser Umstand, der von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung ist, macht sie zu herausragenden Orten, denn an ihnen k\u00f6nnen die Widerspr\u00fcchlichkeiten im sozialen Raum gesehen und praktisch erlebt werden. Sie stellen Zwischenr\u00e4ume dar, in denen die uns vertrauten Zeitgrenzen verwischt und verschiedene Zeitr\u00e4ume \u00fcbereinander gelegt werden. Die Photographien veranschaulichen damit, dass Ausgrenzung und Stigmatisierung sich nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft oder an den R\u00e4ndern der Stadt ereignen, sondern die M\u00f6glichkeit hierf\u00fcr immer und \u00fcberall mitten unter uns besteht und uneingeschr\u00e4nkt praktiziert wird, auch in diesem Moment. Der Normalfall ist, dass das Besondere &#8211; das Au\u00dferordentliche an sich \u2013 gequ\u00e4lt, misshandelt, deformiert und schlie\u00dflich gesellschaftlich legitimiert zur Hinrichtung gef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p><em>Die andere Person<\/em><\/p>\n<p><strong>Fotoausstellung in der <a title=\"NewYorck im Bethanien - Raum emanzipatorischer Projekte\" href=\"http:\/\/www.newyorck.net\">NewYorck im Bethanien<\/a> bis zum 27.11. (Finissage).<\/strong><br \/>\n<a title=\"Transformationsfelder\" href=\"http:\/\/www.transformationsfelder.de\"><strong>www.transformationsfelder.de<\/strong><\/a><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1265 lazyload\" title=\"weg-zum-bethanien\" data-src=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/weg-zum-bethanien1.jpg\" alt=\"Wegbeschreibung\" width=\"300\" height=\"343\" data-srcset=\"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/weg-zum-bethanien1.jpg 300w, https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/weg-zum-bethanien1-262x300.jpg 262w\" data-sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" style=\"--smush-placeholder-width: 300px; --smush-placeholder-aspect-ratio: 300\/343;\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die gef\u00e4hrdete\u00a0 Moderne &#8211; Geb\u00e4ude urbaner Neuordnung Zahlreiche Geb\u00e4ude der Nachkriegsmoderne haben in den letzten Jahrzehnten massive Prozesse der Entwertung und der Zerr\u00fcttung durchlaufen &#8211; Verunstaltung und Abriss von denkmalgesch\u00fctzten Bauten sind l\u00e4ngst zur Normalit\u00e4t geworden. 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