{"id":198,"date":"2007-04-30T13:18:04","date_gmt":"2007-04-30T11:18:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abrissberlin.de\/blog\/2007\/04\/30\/aktion-der-bundestag-ist-gescheitert\/"},"modified":"2010-01-31T01:22:58","modified_gmt":"2010-01-30T23:22:58","slug":"aktion-der-bundestag-ist-gescheitert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/?p=198","title":{"rendered":"Aktion &#8222;Der Bundestag ist gescheitert&#8220;"},"content":{"rendered":"<div class=\"entry-content\">aus <em><a title=\"Geld oder Leben\" href=\"http:\/\/geldoderleben.blogsport.de\">http:\/\/geldoderleben.blogsport.de<\/a><\/em><\/p>\n<div class=\"entry-content\">Junge politische Menschen setzen ein Zeichen vor und in dem Bundestag. Die Betitelung der Aktivisten als \u201eHumankapital\u201c, das Verstreuen von Geld und das Entrollen von Bannern mit Spr\u00fcchen wie \u201eDie W\u00fcnsche der Wirtschaft sind unantastbar\u201c sollen verdeutlichen, dass der Bundestag lediglich das Ausf\u00fchrungsorgan der gro\u00dfen Unternehmen ist und keine freiheitliche, demokratische Institution darstellt. Dieses Bild wird dadurch verst\u00e4rkt, dass auf dem Dach des Reichstags der Schriftzug \u201eDem deutschen Volke\u201c durch das Banner \u201eDer deutschen Wirtschaft\u201c ersetzt wird. Ziel dieser Aktion ist es, einen Diskurs anzusto\u00dfen, der die Scheindemokratie kritisch hinterfragt und mit Vehemenz gesellschaftspolitische Ver\u00e4nderungen durchsetzt. Wir f\u00fchlen uns durch die Gr\u00f6\u00dfe der Probleme zu dieser Aktion gen\u00f6tigt.<\/div>\n<div class=\"entry-content\">\n<div class=\"entry-content\">Wir \u00fcben harte und tiefgreifende Kritik am bestehenden politischen System.<\/div>\n<div class=\"entry-content\">\n<div class=\"entry-content\">Schon in der Schule wird uns beigebracht, dieses System eine Demokratie zu nennen. Es soll eine Herrschaft aller darstellen. Diese Herrschaft beschr\u00e4nkt sich dann aber in der Praxis darauf, einmal in vier Jahren w\u00e4hlen zu d\u00fcrfen. Eine Weiterentwicklung des Systems ist offenbar nicht angedacht. Diese parlamentarische Demokratie ist keine Demokratie, sondern eine Scheindemokratie: Die W\u00e4hlerInnen werden nicht als teilnehmendes Element am gesellschaftlichen Aufbau betrachtet, sondern nur als passive KonsumentInnen, die \u00fcber unterschiedliche Marketingstrategien der Parteien zu urteilen haben.Die Regierung hat kein Vertrauen in die Bev\u00f6lkerung, sie kontrolliert sie, setzt sie immer st\u00e4rker einem Allgemeinverdacht aus und schafft ein Klima der Angst. Die Parteien haben sich von weitergehenden Visionen verabschiedet und leben nur noch in einer engen Welt der Realpolitik. Die Menschen reagieren mit Politikverdrossenheit auf die zunehmende Ununterscheidbarkeit der Parteien. Politik fungiert nur noch als Verwalterin der Wirtschaft, als Ausf\u00fchrungsorgan der gro\u00dfen Unternehmen. Das liegt einerseits am massiven Lobbyismus der Unternehmen, welcher mit viel Geld betrieben wird, andererseits an der erstaunlichen gro\u00dfen Schnittmenge von Abgeordnetenmandaten und Aufsichtsratposten. Entscheidenden Problemen wie Klimawandel, Armut und Perspektivlosigkeit begegnet die Scheindemokratie mit staunender Unf\u00e4higkeit. Der eingeschlagene Weg der kleinen Reformen bewirkt, wenn \u00fcberhaupt, negative Entwicklungen und dreht die Spirale des scheiternden Systems immer weiter.Wir haben keine Hoffnung in die PolitikerInnen dieser Zeit, sie sind zu fest im System verankert, um \u00fcber den Tellerrand blicken zu k\u00f6nnen. Sie unterst\u00fctzen eine fatale Entwicklung. Die Entm\u00fcndigung aller durch ihre sogenannten Vertreter muss zugunsten einer st\u00e4ndigen, politischen Einflussnahme der gesamten Bev\u00f6lkerung abgeschafft werden. Es ist Schwachsinn, dass dieses System alternativlos ist. Wir wollen eine Gesellschaft, in der alle Menschen Politik leben und ein andauernder Diskurs grundlegende Ver\u00e4nderungen erm\u00f6glicht. Daf\u00fcr ist eine radikale Form der Demokratie notwendig.Statt der Entwicklung politischer Visionen zur Verbesserung der allgemeinen menschlichen Lebensumst\u00e4nde beherrscht ein unkritischer Wirtschaftsglaube das politische Handeln. Das heutige politische System hat das nationale Wirtschaftwachstum zum einzigen Ma\u00dfstab politischen Erfolgs erkoren. Konsum gilt als Ausdruck individueller Selbstverwirklichung. Es handelt sich hierbei um ein System, das, in seiner einzig logischen Konsequenz, die Umwelt zerst\u00f6ren, soziale Ungleichheit versch\u00e4rfen und das menschliche Leben in Formen pressen muss.<br \/>\nDer Mensch ist ein austauschbarer Funktionstr\u00e4ger in einer sinnlos wachsenden Wirtschaft, wer sich weigert oder scheitert, ist nur noch Abfall. In einer Gesellschaft, in der es wichtig ist, zu den Gewinnern zu geh\u00f6ren, bleibt immer eine Mehrheit von Verlierern \u00fcbrig. Das Ideal des mobilen, flexiblen, motivierten und leistungsbereiten Menschen f\u00fchrt zu einer vereinzelten Gesellschaft, in der ein solidarisches Miteinander zugunsten eines wirtschafts-verg\u00f6tternden Denkens dem Geld geopfert wird.<\/p>\n<p>Gerade junge Menschen gestalten ihr Leben nur noch nach Bewerbungskriterien. Unter dem Damoklesschwert der Arbeitslosigkeit ordnen viele ihr Leben scheinbar freiwillig der wirtschaftlichen Verwertbarkeit unter.<\/p>\n<p>Wir brauchen die Entkopplung von Arbeit und materieller Grundausstattung. Eine kostenlose Grundversorgung, sprich Bildung, Gesundheit, Wohnraum, Lebensmittel und Kultur, ist notwendig, um den Menschen ein freies und selbstbestimmtes Leben zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Die immer st\u00e4rkere Einflussnahme der Wirtschaft auf Bildungseinrichtungen sowie die Orientierung vorgefertigter Lehrinhalte an ihrer \u00f6konomischen Nutzbarkeit sind ma\u00dfgeblich verantwortlich f\u00fcr eine geistige Verk\u00fcmmerung und Normierung der Gesellschaft. Nicht soziales Denken, sondern Konkurrenz und Leistungsdruck bestimmen den Ausbildungsalltag. Ziel einer jeden freien und emanzipierten Gesellschaft muss es sein, die Entwicklung der individuellen Pers\u00f6nlichkeit und selbstbestimmten Meinungsbildung zu f\u00f6rdern. Dabei darf es Selektionskriterien wie solche nach sozialem Status, pers\u00f6nlichen F\u00e4higkeiten, Geschlecht sowie religi\u00f6sem, nationalem oder kulturellem Hintergrund, nicht mehr geben.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Gro\u00dfteil der Weltbev\u00f6lkerung in Armut lebt und durch transnationale Konzerne ausgebeutet wird, kaufen wir alle wesentlich mehr, als wir tats\u00e4chlich ben\u00f6tigen, als f\u00fcr uns ausreichend ist. Um den Menschen in eine den Rest der Welt und die Herstellung ihres Produkts ignorierende Kaufmaschine verwandeln zu k\u00f6nnen, bedient sich die Wirtschaft eines trickreichen Instruments: der Werbung. Werbung ist keine Produktinformation, sie ist Propaganda &#8211; subtile Propaganda, welche uns einen Lebensstil aufzw\u00e4ngen soll, der dem Unternehmen Gewinne beschert und der Volkswirtschaft gute Zahlen. Dass ein Gel\u00e4ndewagen und Billigfl\u00fcge den Klimawandel anheizen, Kleidung unter menschenrechtsverachtenden Zust\u00e4nden entsteht, wird in dieser freundlichen Warenwelt nicht erw\u00e4hnt. Wir lehnen Werbung ab. Die \u00d6ffentlichkeit muss einer politisierten Gesellschaft zur\u00fcckgegeben werden.<\/p>\n<p>Die Wirtschaft wird immer mehr von gr\u00f6\u00dferen Subjekten bestimmt und unterwirft alles ihrem Streben nach Gewinn. Hier an das nicht vorhandene Verantwortungsdenken der Unternehmen zu appellieren, greift zu kurz.<br \/>\nDen Konzernen muss der politische Einfluss und die Beherrschung \u00f6ffentlicher R\u00e4ume entrissen werden. Dabei ist eine Zerschlagung aller Konzerne notwendig, darunter verstehen wir eine Zerteilung und Vergesellschaftung. Die Gesellschaft k\u00f6nnte somit wieder selbst\u00e4ndig handeln, ihren politischen Rahmen selbst definieren.<\/p>\n<p>Wir verlangen, Utopien leben zu d\u00fcrfen. Die Menschen sollten auf ihre Art und Weise leben und an der Gesellschaft partizipieren d\u00fcrfen. Die fortschreitende technische Entwicklung und Produktivit\u00e4tssteigerung w\u00fcrde der Bev\u00f6lkerung erm\u00f6glichen, weniger zu arbeiten f\u00fcr das Lebensnotwendige und insgesamt mehr Freir\u00e4ume zu haben. Der Einzelne muss den Glauben an die Gesellschaft, an einen Sinn in seinem Leben au\u00dferhalb des Geldbeutels wiederfinden.<\/p>\n<p>Wir treten f\u00fcr eine Demokratie ein, die es Menschen gestattet, den politischen Rahmen und ihr Umfeld zu gestalten und mitzubestimmen. Wir treten f\u00fcr eine menschliche, \u00f6kologische und soziale Wirtschaft ohne Konzerne und eine solidarische, freie, emanzipatorische Gesellschaft ein.<\/p>\n<p>Unsere Forderungen richten sich an keine herrschende Elite. Wir rufen zu einem \u00f6ffentlichen Diskurs und zu einer neuen freien Bewegung auf. Mit dieser Aktion setzen wir ein Zeichen gegen das derzeitige System. Alle, die mit dem Bestehenden unzufrieden ist und die Hoffnung auf eine freie bessere Gesellschaft nicht aufgegeben hat, rufen wir auf, Widerstand zu leisten.<\/p>\n<p>Geld oder Leben\u00a0 <a title=\"Geld oder Leben\" href=\"http:\/\/geldoderleben.blogsport.de\">Fotos der Aktion<\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>aus http:\/\/geldoderleben.blogsport.de Junge politische Menschen setzen ein Zeichen vor und in dem Bundestag. Die Betitelung der Aktivisten als \u201eHumankapital\u201c, das Verstreuen von Geld und das Entrollen von Bannern mit Spr\u00fcchen wie \u201eDie W\u00fcnsche der Wirtschaft sind unantastbar\u201c sollen verdeutlichen, dass der Bundestag lediglich das Ausf\u00fchrungsorgan der gro\u00dfen Unternehmen ist und keine freiheitliche, demokratische Institution darstellt. 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