{"id":2373,"date":"2011-06-02T20:50:35","date_gmt":"2011-06-02T18:50:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/?p=2373"},"modified":"2011-06-02T20:50:35","modified_gmt":"2011-06-02T18:50:35","slug":"wenn-wohnen-zum-alptraum-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/?p=2373","title":{"rendered":"Wenn Wohnen zum Alptraum wird"},"content":{"rendered":"<p><em>Steigende Wohnkosten versch\u00e4rfen Lebensbedingungen der \u00c4rmeren<\/em><\/p>\n<p>Ein Drittel der Berliner Haushalte sind f\u00fcr ihre Mietzahlung auf soziale Transferleistungen angewiesen, ob Hartz IV, Grundsicherung oder Wohngeld. Jeder dritte Haushalt hat demzufolge keinen finanziellen Spielraum f\u00fcr weitere Mietsteigerungen, denn schon jetzt zahlen die Betroffenen h\u00e4ufig aus den Regelleistungen zur Miete dazu. Im Durchschnitt ist bei 20% der Hartz-IV-Beziehenden die Miete h\u00f6her als die vom Amt \u00fcbernommene Kostenerstattung. In Friedrichshain-Kreuzberg sind es sogar 25%.<\/p>\n<p>Die <a title=\"Kampagne gegen Zwangsumz\u00fcge\" href=\"http:\/\/www.gegen-zwangsumzuege.de\">Kampagne gegen Zwangsumz\u00fcge<\/a> betreibt seit Jahren ein Notruftelefon und f\u00fchrte j\u00fcngst eine Untersuchung zum Alltag der Mieter\/innen durch. Das Ergebnis war, dass sich immer mehr Menschen am Ende des Monats die Miete im wahrsten Sinne des Wortes vom Munde absparen. Hungern f\u00fcr die Miete im reichen Deutschland. Umz\u00fcge werden zum Alptraum, weil es keine preiswerten Wohnungen mehr gibt und das Geld hinten und vorne nicht reicht, denn neben der Miete steigen auch die Betriebs- und Energiekosten. Vollends entw\u00fcrdigend f\u00fcr die Betroffenen ist, dass sie vor dem Hintergrund existentieller \u00c4ngste ihre Hilfsbed\u00fcrftigkeit auf dem Amt beweisen m\u00fcssen und dabei Willk\u00fcr und Schikane ausgesetzt sind. Wenn <a title=\"Freitod eines bedrohten Sozialmieters\" href=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/2010\/05\/10\/freitod-eines-bedrohten-sozialmieters\">sich jemand umbringt<\/a>, ist die Emp\u00f6rung gro\u00df, aber im Verborgenen zahlreicher Wohnungen spielen sich l\u00e4ngst Dramen ab. Wohnen wird zum Alptraum ohne Ende. Die zum Jahresanfang erfolgte Erh\u00f6hung des Hartz-IV-Regelsatzes um 5 Euro reicht bei Weitem nicht, die durch Mieterh\u00f6hungen und gestiegene Nebenkosten entstandenen Mehrausgaben auszugleichen. Die Partei Die Linke hat einen Entwurf zur Neuregelung der Wohnkosten in der Schublade, will diesen aber erst nach der Wahl pr\u00e4sentieren. Oberstes Gebot dieser Vorlage: \u201eEs darf nicht teurer werden f\u00fcr das Land.\u201c Die Vermieter werden sich daran nicht halten. Was k\u00f6nnen Mieter\/innen machen? Hier die wichtigsten Tipps: Falls Sie zur \u201eSenkung der Kosten der Unterkunft\u201c (Beh\u00f6rdendeutsch f\u00fcr den Fall, dass das Amt die Miete nicht mehr \u00fcbernimmt) aufgefordert werden, sollten Sie in jedem Fall dagegen Widerspruch einlegen. Die Kampagne gegen Zwangsumz\u00fcge fordert ein Moratorium, also ein Aussetzen der \u201eSenkung der Kosten der Unterkunft\u201c, weil die Hartz-IV-Reformen, die am 25. Februar 2011 verabschiedet wurden \u2013 bekannt durch die Erh\u00f6hung um 5 Euro und das sogenannte Bildungspaket \u2013 auch eine Neuregelung der Kosten der Unterkunft verlangt. Dabei sind die Kommunen verpflichtet, eine Satzung zu erlassen, die sich am preiswerten Wohnraum in der Stadt orientiert.<\/p>\n<p>Wenn auf den Widerspruch nicht reagiert wird, k\u00f6nnen Sie nach 3 Monaten eine Unt\u00e4tigkeitsklage einreichen. Wenn nicht gezahlt wird, kann man eine einstweilige Anordnung bei Gericht beantragen. Das Sozialgericht ist in der Invalidenstra\u00dfe, man bekommt Prozesskostenhilfe und die Rechtspfleger dort sind sehr kompetent und hilfsbereit.<\/p>\n<p>Hilfreich ist, nach oder auch w\u00e4hrend des Termins beim Jobcenter ein Ged\u00e4chtnisprotokoll zu verfassen und nach M\u00f6glichkeit gegenzeichnen zu lassen. Sie k\u00f6nnen sich von einer Begleitperson unterst\u00fctzen lassen, was das B\u00fcndnis \u201eKeiner geht allein zum Amt\u201c anbietet.<\/p>\n<p>Aber noch wichtiger ist vielleicht der Gedanke: Sie sind nicht allein mit Ihrem Drama, und vor allem sind Sie nicht daran schuld. In vielen Kiezen organisiert sich darum Widerstand. Schauen Sie sich nach der n\u00e4chsten Kiezinitiative um, holen Sie sich Unterst\u00fctzung oder schlie\u00dfen Sie sich mit anderen zusammen. Auf der Website des B\u00fcndnisses \u201e<a title=\"Steigende Mieten stoppen!\" href=\"http:\/\/mietenstopp.blogsport.de\">Steigende Mieten stoppen<\/a>\u201c kann man Adressen, Kontaktpersonen und Termine von Treffen finden. Wenn es ganz dicke kommt, gibt es das kostenlose Notruftelefon: 0800 \u2013 2 72 72 78.<\/p>\n<p><em>Karin Baumert<\/em><\/p>\n<p>Sogenannte \u201eRichtwerte f\u00fcr angemessene Brutto-Warmmieten zur Feststellung der abstrakten Angemessenheit\u201c = Mietobergrenzen f\u00fcr ALG-II-Beziehende:<\/p>\n<p><strong>Haushaltsgr\u00f6\u00dfe\/Monatliche Bruttowarmmiete<\/strong><\/p>\n<p><strong>1-Personen-Haushalt: 378 Euro<\/strong><br \/>\n<strong> 2-Personen-Haushalt: 444 Euro<\/strong><br \/>\n<strong> 3-Personen-Haushalt: 542 Euro<\/strong><br \/>\n<strong> 4-Personen-Haushalt: 619 Euro<\/strong><br \/>\n<strong> 5-Personen-Haushalt: 705 Euro<\/strong><\/p>\n<p><strong>F\u00fcr jede weitere Person: +50 Euro<\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong>Ver\u00f6ffentlicht im <a title=\"MieterEcho\" href=\"http:\/\/www.bmgev.de\/mieterecho\/archiv\/2011\/347.html\">MieterEcho Nr. 347<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Steigende Wohnkosten versch\u00e4rfen Lebensbedingungen der \u00c4rmeren Ein Drittel der Berliner Haushalte sind f\u00fcr ihre Mietzahlung auf soziale Transferleistungen angewiesen, ob Hartz IV, Grundsicherung oder Wohngeld. 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