{"id":2425,"date":"2011-08-08T15:23:38","date_gmt":"2011-08-08T13:23:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/?p=2425"},"modified":"2013-05-03T21:55:00","modified_gmt":"2013-05-03T19:55:00","slug":"hansaviertel-moderne-vor-dem-todesstos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/?p=2425","title":{"rendered":"Hansaviertel: Moderne vor dem Todessto\u00df?"},"content":{"rendered":"<p>Das Konsistorialgeb\u00e4ude, ein Y-f\u00f6rmiges, silbergraues Hochhaus mit Soft-Edge-Fenstern, soll im Herbst abgerissen werden. Zuletzt hatte es Pl\u00e4ne gegeben, das ehemalige Verwaltungsgeb\u00e4ude der Evangelischen Kirche, das zwischen 1968 und 1971 im heute weltweit ger\u00fchmten Hansaviertel errichtet wurde, mit Eigentumswohnungen auszubauen und ihm dabei eine Putzfassade zu verpassen. Zumindest dies wird dem Schmuckst\u00fcck mit der einzigartigen Aluminiumfassade nun wohl erspart bleiben.<\/p>\n<p>Das <em>Evangelische Konsistorium<\/em> an der Bachstra\u00dfe in Berlin-Tiergarten gilt als herausragendes Beispiel einer ganzen Architekturepoche, deren Zeugnisse akut gef\u00e4hrdet sind, da ihre Denkmalw\u00fcrdigkeit von vielen Verantwortlichen noch immer nicht erkannt wird. So erscheint es kaum verwunderlich, dass auch Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) sich diesbez\u00fcglich wieder einmal von seiner schlechtesten Seite zeigt und das Denkmal der sp\u00e4ten Moderne zum Abriss empfiehlt. Damit aber bewegt er sich ganz und gar auf der Linie des Berliner Senats, der kaum eine Gelegenheit ausl\u00e4sst, der in den 50ern, 60ern und 70ern des vergangenen Jahrhunderts erschaffenen und in Betrieb genommenen Moderne ihre Fortexistenz zu verwehren. Restauratorische Blockrand-Mentalit\u00e4t k\u00f6nnte somit einmal mehr \u00fcber die Werte denk-(!) und denkmalw\u00fcrdiger Moderne triumphieren. Freuen d\u00fcrfte dies in erster Linie die Investoren, die damit die maximale Ausnutzung des Grundst\u00fccks erreichen.<\/p>\n<p>Zu ihrer jeweiligen Entstehungszeit erzeugen Neubauten durchaus erheblichen Verdruss und Widerstand bei den Menschen, zumal dann, wenn mit ihrem Aufbau auch ein Abbau alter, lieb gewonnnener Bauten verbunden ist. Diesem Empfinden und der damit einhergehenden Opposition schlie\u00dfe ich mich grunds\u00e4tzlich an. Hinzu kommt f\u00fcr mich folgender Gedanke: Seit vielen Jahren bereits leben wir in einer Zeit bzw. an einem Ort,\u00a0an dem Neubauten nicht mehr ben\u00f6tigt werden und daher auch nicht mehr mit der vermeintlichen Vernunft des reellen Wachstums begr\u00fcndbar sind. Stagnation bzw. der R\u00fcckgang der Bev\u00f6lkerung bei gleichzeitigem Leerstand zahlloser Geb\u00e4ude aller Epochen seit der Gr\u00fcnderzeit sollte uns alle zu einem Innehalten mahnen. Der (andernorts) durchaus bereits wertgesch\u00e4tzten Moderne der 50er, 60er und 70er sowie der ihr folgenden Zeit der fr\u00fchen 80er m\u00f6gen wir unser Herz schenken (!) &#8211; und unsere Macht spielen lassen -, solang sie noch nicht vollst\u00e4ndig dem Effizienzdenken heutiger Zeit anheimgefallen ist, denn sonst wird sie uns und K\u00fcnftigen allenfalls in der (verblassenden) Erinnerung erhalten bleiben.<\/p>\n<p><a title=\"Ostprinzessin\" href=\"http:\/\/www.ostprinzessin.de\"><em>Ostprinzessin<\/em><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/drehfenster-konsistorium.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-2473 lazyload\" title=\"drehfenster-konsistorium\" data-src=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/drehfenster-konsistorium-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" style=\"--smush-placeholder-width: 150px; --smush-placeholder-aspect-ratio: 150\/150;\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/konsistorium-hansaviertel.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-2428 lazyload\" title=\"konsistorium-hansaviertel\" data-src=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/konsistorium-hansaviertel-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" style=\"--smush-placeholder-width: 150px; --smush-placeholder-aspect-ratio: 150\/150;\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/hansaviertel-konsistorium.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-2429 lazyload\" title=\"hansaviertel-konsistorium\" data-src=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/hansaviertel-konsistorium-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" style=\"--smush-placeholder-width: 150px; --smush-placeholder-aspect-ratio: 150\/150;\" \/><\/a><\/p>\n<p>\u201eArchitekten f\u00fcr Architekten\u201c hat eine Petition gegen den Abriss des Konsistorialgeb\u00e4udes initiiert: <a href=\"http:\/\/www.architektenfuerarchitekten.de\/wordpress\/was\/petition-fur-den-erhalt-des-ehemaligen-konsistoriums-im-hansaviertel\">Hier unterzeichnen<\/a>! \u201eDie Nachkriegsmoderne ben\u00f6tigt dringend F\u00fcrsprecher, sonst ist sie in ein paar Jahren verschwunden.\u201c<\/p>\n<p><strong><em>Offener Brief an:<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Hilfswerk-Siedlung GmbH<br \/>\nEvangelisches Wohnungsunternehmen in Berlin<br \/>\nHerrn J\u00f6rn von der Lieth, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer<br \/>\nTollensestra\u00dfe 34<br \/>\n14167 Berlin<\/em><\/p>\n<p><em>Berlin, 29. Juli 2011<\/em><\/p>\n<p><em>Abrissmoratorium f\u00fcr das ehemalige Konsistorium der Berliner<br \/>\nArchitekten Georg Heinrichs und Hans-Christian M\u00fcller<\/em><\/p>\n<p><em>Sehr geehrter Herr von der Lieth,<\/em><\/p>\n<p><em>Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz ist Mehrheitsgesellschafter der Hilfswerk-Siedlung GmbH (HWS), der die Liegenschaft des ehemaligen Konsistoriums, zentral gelegen an der Bach- Ecke Altonaer Strasse am n\u00f6rdlichen Rand des Hansaviertels geh\u00f6rt.<\/em><\/p>\n<p><em>Damit ist die Landeskirche zumindest &#8222;moralisch&#8220; und ihr Tochterunternehmen HWS in vollem Umfang verantwortlich f\u00fcr den geplanten Abriss des ehemaligen Konsistoriums, 1968-71 entworfen und erbaut durch die Berliner Architekten Georg Heinrichs und Hans-Christian M\u00fcller.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Geb\u00e4ude mit seiner charakteristischen Aluminiumfassade und dem originellen Y-f\u00f6rmigen Grundriss stellt ein baukulturelles Zeugnis seiner Zeit dar. Es ist von hohem st\u00e4dtebaulichen und architektonischen Wert und damit von \u00fcberregionaler Bedeutung f\u00fcr die Stadt Berlin.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Projektvorschlag der HWS sieht f\u00fcr dieses Grundst\u00fcck eine 5 bis 6-geschossige Blockrandschlie\u00dfung mit einer teilweisen \u00d6ffnung zum Schleswiger Ufer \/ zur Spree, sowie eine Nutzungsmischung von Gewerbe und einem hohen Anteil an \u201eSingle-Wohnungen\u201c vor. Dies entspricht billigen Investoreninteressen auf dem Berliner Immobilienmarkt.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Pl\u00e4ne der HWS, das ehemalige Konsistorium sinnlos abzurei\u00dfen und durch eine massiv wirkende Blockrandbebauung zu ersetzen, st\u00f6\u00dft auf heftige Proteste von Fachleuten (z.B. Rat f\u00fcr Stadtentwicklung Berlin, Phase 1 Architekturb\u00fcro etc.), der Anlieger (z.B. Akademie der K\u00fcnste, Apotheke im Hansaviertel etc.), der BVV Mitte und des B\u00fcrgervereins Hansaviertel e.V.. Letzterer engagiert sich seit seiner Gr\u00fcndung 2004 in einer Initiative zur F\u00f6rderung der Berliner Bauten der Nachkriegsmoderne.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir sind der Auffassung, dass das ehemalige Konsistorium in \u00f6konomisch vertretbarer Weise saniert und einer neuen Nutzung \u2013 z.B. Studentenwohnungen \u2013 zugef\u00fchrt werden k\u00f6nnte. Zumal man zur Einhaltung der heute geltenden Energieeinsparverordnung sowieso die m\u00e4ngelbehaftete Aluminiumfassade abnehmen m\u00fcsste und den originalen \u201cLook\u201d mit ged\u00e4mmten Sandwich-Aluminium-Paneelen vor den v\u00f6llig intakten Betonkern h\u00e4ngen k\u00f6nnte. Ein zus\u00e4tzliches Treppenhaus und noch ein paar Kleinigkeiten und das sch\u00f6ne Baukulturdenkmal w\u00e4re wieder voll funktionsf\u00e4hig!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Wir pl\u00e4dieren deshalb f\u00fcr ein Abrissmoratorium, um Zeit f\u00fcr kreative L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten zu finden.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<br \/>\nArchitekten f\u00fcr Architekten (AfA)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Konsistorialgeb\u00e4ude, ein Y-f\u00f6rmiges, silbergraues Hochhaus mit Soft-Edge-Fenstern, soll im Herbst abgerissen werden. 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