{"id":301,"date":"2007-07-29T15:01:57","date_gmt":"2007-07-29T13:01:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abrissberlin.de\/blog\/2007\/07\/29\/leer-ausgestosen-verschwiegen\/"},"modified":"2013-07-08T18:52:00","modified_gmt":"2013-07-08T16:52:00","slug":"leer-ausgestosen-verschwiegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/?p=301","title":{"rendered":"leer &#8211; ausgesto\u00dfen &#8211; verschwiegen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine Dokumentation mit Folgen<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Insbesondere interessiert mich die Architektur an den Orten des ehemaligen Sozialismus. Zahlreiche Geb\u00e4ude (-Komplexe) stehen &#8211; in urbanen Zentren wie in peripheren Lagen &#8211; funktionslos herum. Darin spiegeln sich f\u00fcr mich: Leere, Verlass, Verfall, Reste von Strukturen ohne wirkliche Inhalte, Liegengelassenes und Entwertetes.<\/p>\n<p>Die Dokumentation in Form von Fotos ist f\u00fcr mich mehr aus einer Randlage entstanden. Schon lange, bevor ich anfing, den Stimmungen an diesen sehr verschiedenen, toten Orten nachzusp\u00fcren, war es eine Neigung, \u00fcber menschenleere und von der Natur \u00fcberwucherte Gel\u00e4nde mit Geb\u00e4udeanlagen zu gehen. An diesen Orten kann ich die Zeit sehen. Dies erm\u00f6glicht ein Eintauchen in den jeweiligen Zustand des Ortes. Die Atmosph\u00e4ren sind vision\u00e4r und monstr\u00f6s. Sie bedeuten Entkopplung von dem uns einverleibten Hang zum Mittelma\u00df. Kurz: Dem Zwang der Normen entgegentreten.<\/p>\n<p>Diese R\u00e4ume sind frei und beunruhigend in ihrer Ungew\u00f6hnlichkeit. Im Grunde ist man nicht darauf vorbereitet, dass so etwas \u00fcberhaupt existiert. Im Zeitalter der individuellen Profilierung l\u00e4sst sich Andersartigkeit konsequent &#8211; also ausnahmslos &#8211; \u00fcbergehen, zumindest \u00fcbersehen.<\/p>\n<p>Neben der Dokumentation der architektonischen Hinterlassenschaften der sozialistischen Moderne, habe ich angefangen, westliche Nachkriegsbauten zu fotografieren. Dabei fielen mir besonders Wohnungsbauten sowie Repr\u00e4sentationsbauten der Sechziger und Siebziger Jahre durch ihre bedr\u00fcckende und dunkle Gestalt auf. Die Geb\u00e4ude erscheinen: Kalt, verschwiegen, monstr\u00f6s und beklemmend, geradezu etwas verdecken wollend &#8211; ihr Wesen, die Last &#8211; zumindest das bis dato Unausgesprochene.<\/p>\n<p>Um die Trias nun zu vervollst\u00e4ndigen, verweise ich auf die Fotografien des Monumentalklassizismus aus dem Nationalsozialismus. Sie scheinen &#8211; entsprechend ihrer Absicht &#8211; tats\u00e4chlich f\u00fcr die Ewigkeit zu sein. Gigantismus aus einer Zeit, die (nur) als Ausnahmezustand behandelt wird; somit auch eine Form von Entkopplung darstellend, die Entbundenheit vom Davor und Danach.<\/p>\n<p>Und heute? Was bringt uns das Investorenzeitalter f\u00fcr optische Errungenschaften in Form neuer Geb\u00e4ude? &#8211; Eine Langeweile aus Stahl und Glas, vermeintlich transparent, aber doch undurchdringbar. Die T\u00fcren bleiben stets verschlossen.<\/p>\n<p>Abriss und Neubau m\u00f6gen sich \u2013 im gro\u00dfst\u00e4dtischen Raum &#8211; in unserer Zeit noch die Waage halten, wobei an so manchem Ort nach einem Abriss \u2013 f\u00fcr ein Investorenprojekt &#8211; nicht selten einfach nur eine Brache zur\u00fcck bleibt, also eine Form des Nichts, kurz gesagt: Leere.<\/p>\n<p><em>Die andere Person<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Dokumentation mit Folgen Insbesondere interessiert mich die Architektur an den Orten des ehemaligen Sozialismus. 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