{"id":376,"date":"2007-08-25T20:49:07","date_gmt":"2007-08-25T18:49:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abrissberlin.de\/blog\/2007\/08\/25\/die-non-stop-gesellschaft\/"},"modified":"2013-05-03T23:17:41","modified_gmt":"2013-05-03T21:17:41","slug":"die-non-stop-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/?p=376","title":{"rendered":"Die Non-Stop Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p><em>Blitzkrieg gegen sich selbst: Die Non-Stop Gesellschaft<\/em> hei\u00dft das Buch von Rainer B. Jogschies, das 2004 im Nachttischbuch-Verlag Berlin verlegt wurde.<\/p>\n<p>Es geht um Beschleunigung. Beschleunigung der Zeit, der Lebenszeit, von Arbeit und Freizeit. Rastlos, gedanklich immer zwischen A und B pendelnd, angetrieben vom Haben wollen, st\u00fcrzen wir in geistige Unfreiheit, weil es zum Beispiel keine Zeit mehr gibt, etwas ausgiebig und langfristig zu \u00fcberlegen. \u201eHierzulande musst Du so schnell rennen, wie Du kannst, wenn Du am gleichen Fleck bleiben willst\u201c, wird Alice im Wunderland erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Gibt es einen Zusammenhang zwischen <em>kein Geld<\/em> und <em>keine Zeit<\/em>? Oder auch einen Zusammenhang zwischen <em>Hetze<\/em> und <em>noch weniger Zeithaben<\/em>? Die grauen M\u00e4nner haben die Macht ergriffen und niemand hat mehr Zeit. Was ein wenig seltsam anmutet, denn es gibt ja eine Menge Hilfen, die die Arbeit beschleunigen. Weit gefehlt, denn diese Hilfen f\u00fchren letztendlich zu noch mehr Arbeit und auch noch mehr Stress, z. B. durch Anschaffung oder auch Instanthaltung. Die vermeintlich gesparte Zeit beim Aufw\u00e4rmen der Tiefk\u00fchlpizza in der Mikrowelle geht drauf f\u00fcr Verpackung, Transport und Staus oder auch in der Mehrarbeit daf\u00fcr, um sich eine Mikrowelle leisten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dem Verlust der Zeit folgt eine Zunahme des visuellen und akkustischen L\u00e4rms, der permanenten Ablenkung. Die Erlebnisgesellschaft kennt keine Mu\u00dfe, aber auch keine tiefgreifenden Erlebnisse mehr &#8211; trotz der Werbespr\u00fcche vom intensiven Genu\u00df. Sie lebt vom Surrogat. Rainer Jogschies beschreibt die Ph\u00e4nomene und Zusammenh\u00e4nge und liefert erfrischende Beispiele unseres Nicht-Seins, etwa als Zuschauer vor einem Fernseher, wo wir zeitverloren auf Vergangenes blicken und die Zukunft dar\u00fcber m\u00f6glicherweise vergessen. Oder: Wer Freizeit sinnvoll nutzen will, investiert in teure Urlaube, die dann wiederum erst einmal verdient werden m\u00fcssen. \u201eAlles Ferne r\u00fcckt n\u00e4her und die N\u00e4he wird unerreichbar\u201c, schreibt Rainer Jogschies.<\/p>\n<p>Computer \u00fcberwachen die Arbeitszeit. Auch der Erfolg oder Mi\u00dferfolg ist messbar. Im Erwerbsleben sind l\u00fcckenlose Lebensl\u00e4ufe gefordert. Und es ist so, als h\u00e4tte man sich in den L\u00fccken etwas zu schulden kommen lassen. In unserer Gesellschaft gibt es kein Recht auf Faulheit, behaupten Politiker wie Altbundeskanzler Schr\u00f6der oder Unternehmer und Manager gerne &#8211; und damit also vor allem diejenigen, die ihr Geld arbeiten lassen.<\/p>\n<p>Interessant ist auch das Kapitel zur Aufspaltung zwischen Arbeit und Freizeit und bezahlter Arbeit und unbezahlter Arbeit. Durch Nichtbezahlung der Arbeit entsteht den Steuer- und Rentenkassen ein Verlust in Milliardenh\u00f6he und der belastet das Sozialsystem bis zum Anschlag. Gleichzeitig verzerren Kategorien wie \u201eNutzen\u201c und \u201enutzlos\u201c die Bewertung. Massenproduktion l\u00e4\u00dft Werte verfallen. Im Neonlicht der neuen Zeit und im gleichf\u00f6rmigen Rauschen der \u201eair condition\u201c in den verspiegelten Malls und B\u00fcros werden echte Gef\u00fchle zunehmends unrealistisch. Den Luxus der Langsamkeit m\u00fcssen wir erst wieder erfinden. \u201eEs ist eine Unm\u00f6glichkeit, sich immer noch mit dem Arbeiten als einzigem Lebensinhalt zurechtfinden zu k\u00f6nnen, wenn die Arbeiten immer sinnloser werden\u201c, konstatiert Jogschies.<\/p>\n<p>Zeit lasse sich lediglich \u201ein der Seele\u201c messen, wu\u00dfte schon Augustinus.<\/p>\n<p>In diesem Sinne, habt Mut zur L\u00fccke,<\/p>\n<p><em>Malah Helman<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Blitzkrieg gegen sich selbst: Die Non-Stop Gesellschaft hei\u00dft das Buch von Rainer B. Jogschies, das 2004 im Nachttischbuch-Verlag Berlin verlegt wurde. Es geht um Beschleunigung. Beschleunigung der Zeit, der Lebenszeit, von Arbeit und Freizeit. 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