{"id":520,"date":"2007-11-06T22:06:25","date_gmt":"2007-11-06T20:06:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/2007\/11\/06\/ankerplatz-zukunft-medien-markte-menschen\/"},"modified":"2010-02-07T00:04:45","modified_gmt":"2010-02-06T22:04:45","slug":"ankerplatz-zukunft-medien-markte-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/?p=520","title":{"rendered":"Ankerplatz Zukunft: Medien, M\u00e4rkte, Menschen"},"content":{"rendered":"<p><em>In Zusammenarbeit mit Indymedia erscheint in einigen Tagen ein 8-seitiger Print zu \u201eMediaspree\u201c und den Hintergr\u00fcnden. Er ist als klassische Information f\u00fcr Anwohner gedacht und wird in den Kiezen verteilt. Die Themen aber gehen weit dar\u00fcber hinaus und bieten einen \u00dcberblick \u00fcber die Folgen und Mechanismen von Gentrification &#8211; kiezweit bis weltweit betrachtet &#8211; und \u00fcber den Widerstand der Betroffenen. Alle Artikel erscheinen auch hier:<br \/>\n<\/em><br \/>\n<strong>\u201eMediaspree\u201c und der neoliberale Stadtumbau<\/strong><\/p>\n<p>Berlin ist \u201esexy\u201c, Medien sind auch \u201esexy\u201c. Die Medien- und Kreativbranche gilt als Wachstumsmarkt. Berlin-Brandenburg ist eine der potentesten Medien- und IT-Regionen in Deutschland. So arbeiten in Berlin 150.000 Menschen in mehr als 12.000 Unternehmen aus der Medien- und Kommunikationswirtschaft, mit einem j\u00e4hrlichen Umsatz von mehr als 12 Milliarden Euro. Klaus Wowereit hat Kultur und Medien unl\u00e4ngst zur Chefsache erkl\u00e4rt und verwaltet auch den Kultursenat. \u201ePublic Private Partnership\u201c hei\u00dft die Plattform, auf der die Akteure aus der Wirtschaft mit \u00f6ffentlichen Einrichtungen kooperieren. Privatwirtschaftliche Interessen werden schnell und unb\u00fcrokratisch mit \u00f6ffentlichen Institutionen vernetzt, gef\u00f6rdert und ausgebaut. Die in Berlin vorhandenen F\u00f6rderungen, Strukturen und Plattformen in Wirtschaft und Medien wurden erweitert, die Zusammenarbeit mit privatwirtschaftlichen Initiativen vertieft. Es finden sich die \u00fcblichen personellen Verquickungen, die \u00dcberg\u00e4nge zwischen Politik und Wirtschaft sind flie\u00dfend.<\/p>\n<p>\u201eMediaspree e.V.\u201c, vormals \u201eSpreemedia GmbH\u201c, entstand 2002 aus einer privatwirtschaftlichen Initiative um Investoren aus der Bau- und Immobilienwirtschaft, die nach der Wende die Brachen des ehemaligen Grenzgebietes erworben hatten und deren Entwicklung und Aufwertung nun betrieben werden soll. Der Verein verfolgt angeblich gemeinn\u00fctzige Zwecke, dennoch d\u00fcrfen nur Personen Mitglied werden, die Grundst\u00fccke besitzen oder anderweitig beteiligt sind. \u201eMediaspree\u201c wird mit 300.000 Euro j\u00e4hrlich aus sog. GA-Mitteln (F\u00f6rdermittel der Bund-L\u00e4nder-Gemeinschaftsaufgabe \u201eVerbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur\u201c) finanziert, das sind 80% der Gesamtkosten. Die \u00f6ffentliche Hand bietet zudem Investitionshilfen, mit denen Unternehmen wie Universal und MTV angesiedelt wurden. Mit Beihilfen des Senats wird das Gebiet erschlossen, f\u00fcr das Anschutz-Areal gab es 19,4 Millionen Euro. \u00dcber das Arbeitsamt k\u00f6nnen F\u00f6rderungen f\u00fcr Arbeitspl\u00e4tze beantragt werden.<\/p>\n<p>\u201eMediaspree\u201c \u00fcbernimmt das Marketing, fungiert als Contactpoint, auch auf internationalen Business\u2013 und Immobilienmessen. Geworben wird mit Berlins Kreativen. Auch wegen der niedrigen L\u00f6hne ist Berlin f\u00fcr Unternehmen und Investoren interessant. Geplant sind zwischen Jannowitz- und Elsenbr\u00fccke diverse Hochh\u00e4user, B\u00fcroblocks und exklusives Wohnen links und rechts der Spree. Bisherige Nutzer von Freir\u00e4umen, alternative Gestaltungen und soziale Komponenten fehlen im Konzept v\u00f6llig. Eindr\u00fccke vom zuk\u00fcnftigen Aussehen gibt es schon an einigen Ecken: Die Trias von der DG Anlagengesellschaft, das \u201eQuartier Orange\u201c, die \u201eOberbaum-City\u201c, Universal und die \u201eSpreespeicher\u201c. Das Schl\u00fcsselprojekt \u201eO2 World\u201c wurde von Anschutz, einem amerikanischen Unternehmen der Eventbranche, entwickelt. Finanziert wird die riesige Multifunktionshalle mit 17.000 Pl\u00e4tzen \u00fcber die Namensrechte, die O2 erwarb.<\/p>\n<p>Massenhaft neue Arbeitspl\u00e4tze erhofft sich Ingeborg Junge-Reyer, Senatorin f\u00fcr Stadtentwicklung. Ein genauer Blick offenbart die zuk\u00fcnftig prek\u00e4re Besch\u00e4ftigung im Servicebereich, viele Arbeitspl\u00e4tze werden nur zur Bauphase entstehen. Der Callcenter-Bereich verspricht eine hohe Rendite auf dem R\u00fccken von Billiglohn-Besch\u00e4ftigten. Hier sind gleich zwei \u201eMediaspree\u201c-Unternehmen t\u00e4tig: Die im Turm der \u201eOberbaum-City\u201c ans\u00e4ssige Service-Tochter der BASF mit 500 Arbeitspl\u00e4tzen, sowie das neue \u201eVorzeige\u201c-Callcenter der Arcandor AG (Karstadt, Quelle). Dieses Callcenter, das zuk\u00fcnftig auch f\u00fcr andere Unternehmen arbeiten will, besticht durch besonders niedrige L\u00f6hne. Die Arbeitsvertr\u00e4ge sind auf maximal 6 Monate befristet. De facto bekommen die meisten der so Besch\u00e4ftigten noch erg\u00e4nzend Hartz IV \u2013 so funktioniert indirekte Wirtschaftsf\u00f6rderung. Im sog. Stadtentwicklungsprogramm \u201eStadtumbau West\u201c ist vorgesehen, auch das Kreuzberger Spreeufer zum \u201ehochwertigen innerst\u00e4dtischen Wirtschaftsstandort\u201c zu entwickeln und \u201ezukunftsf\u00e4hige Arbeitspl\u00e4tze in der wissens- und produktionsorientierten Dienstleistungs\u00f6konomie\u201c zu schaffen.<\/p>\n<p>Stadtentwicklung ist mehr als Wirtschaftsf\u00f6rderung oder Bebauung. Es geht um Bewohner, um soziale und kulturelle Entwicklung. \u201eMediaspree\u201c dagegen gibt das Spektrum der profitorientierten Gesellschaft wieder: Zwischen der Verflechtung von Kapitalinteressen, prek\u00e4rer Besch\u00e4ftigung, globalen Akteuren, Medienhype und Kreativwirtschaft. Und Klaus Wowereit wird den <em>B\u00fcrgern<\/em> im Verlauf der Amtsperiode sicherlich noch erkl\u00e4ren, warum ihre Armut \u201esexy\u201c ist.<\/p>\n<p><em> Malah Helman<\/em><\/p>\n<p><a class=\"imagelink\" title=\"Werden Sie Schlossherr\" href=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/11\/Werden%20Sie%20Schlossherr.JPG\"><img decoding=\"async\" id=\"image523\" data-src=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/11\/Werden%20Sie%20Schlossherr.thumbnail.JPG\" alt=\"Werden Sie Schlossherr\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" class=\"lazyload\" \/><\/a> <a title=\"\u00d6ffentlicher Grund zu verkaufen\" href=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/11\/%C3%96ffentlicher%20Grund%20zu%20verkaufen.JPG\"><img decoding=\"async\" id=\"image524\" data-src=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/11\/%C3%96ffentlicher%20Grund%20zu%20verkaufen.thumbnail.JPG\" alt=\"\u00c3\ufffdffentlicher Grund zu verkaufen\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" class=\"lazyload\" \/> <\/a><a class=\"imagelink\" title=\"BEHALA-Schild am Osthafen\" href=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/11\/BEHALA-Schild%20am%20Osthafen.JPG\"><img decoding=\"async\" id=\"image521\" data-src=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/11\/BEHALA-Schild%20am%20Osthafen.thumbnail.JPG\" alt=\"BEHALA-Schild am Osthafen\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" class=\"lazyload\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Zusammenarbeit mit Indymedia erscheint in einigen Tagen ein 8-seitiger Print zu \u201eMediaspree\u201c und den Hintergr\u00fcnden. 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