{"id":538,"date":"2007-11-22T17:24:52","date_gmt":"2007-11-22T15:24:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/2007\/11\/22\/das-phanomen-mediaspree\/"},"modified":"2010-01-31T17:06:37","modified_gmt":"2010-01-31T15:06:37","slug":"das-phanomen-mediaspree","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/?p=538","title":{"rendered":"Das Ph\u00e4nomen Mediaspree"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/e4824165efa6de7c720894882b6b6a\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Aus den Reihen des <a title=\"Initiativkreis Mediaspree Versenken\" href=\"http:\/\/www.ms-versenken.org\">Initiativkreises Mediaspree Versenken<\/a> wurde das laufende <em>B\u00fcrgerbegehren<\/em> in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vorgestellt. In einem Beitrag wies ich darauf hin, da\u00df das Argument der Arbeitsplatzschaffung f\u00fcr uns fragw\u00fcrdig ist, da viele dieser neu geschaffenen Arbeitspl\u00e4tze prek\u00e4r sind. Eine Debatte um die Arbeit der Zukunft muss endlich einmal von der Basis aus gef\u00fchrt werden. Kreuzberg mit seiner widerst\u00e4ndigen Geschichte k\u00f6nnte dabei Anhaltspunkte geben.<\/p>\n<p>Offenbar gab es wenige Tage sp\u00e4ter bei der Anschutz-O2-World-Gro\u00dfbaustelle eine Razzia des Zolls: \u201e38 Schwarzarbeiter wurden gestellt. Bei der Kontrolle am Mittwochmorgen gaben die Bauarbeiter zu, staatliche Transferleistungen wie Arbeitslosengeld zu erhalten, wie das Berliner Hauptzollamt mitteilte. Der Zoll \u00fcberpr\u00fcfte 311 Mitarbeiter von 90 Firmen und stellte dabei auch zahlreiche Verst\u00f6\u00dfe gegen den Mindestlohn fest. Sieben Baufirmen w\u00fcrden ihren Mitarbeitern vermutlich nur sechs bis sieben Euro Stundenlohn zahlen. Der Mindestlohn auf dem Bau liege aber bei 10,40 Euro f\u00fcr Hilfskr\u00e4fte und 12,50 Euro f\u00fcr Facharbeiter.\u201c (Berliner Zeitung) Auch einer der an \u201eMediaspree\u201c mit einem Bauprojekt &#8211; dem Columbus-Haus &#8211; beteiligten Baufirmen, Wayss &amp; Freitag, unterbietet derzeit beim Ausbau der Autobahn A 8 (Augsburg \u2013 M\u00fcnchen) festgelegte tarifliche Leistungen.<\/p>\n<p>In der BVV wurde das Argument, \u201e<a title=\"Mediaspree e.V.\" href=\"http:\/\/www.mediaspree.de\">Mediaspree<\/a>\u201c schaffe haupts\u00e4chlich Billiglohnarbeitspl\u00e4tze von dem B\u00fcrgermeister Franz Schulz und einigen Verordneten heftig zur\u00fcckgeweisen.<\/p>\n<p>Das Ph\u00e4nomen \u201eMediaspree\u201c steht f\u00fcr Vieles. Es stellt keine Fragen, es behauptet nur. Es f\u00e4llt architektonisch und inhaltlich in Zeiten der Agenda 2010 zur\u00fcck:  Stadtraum nur f\u00fcr Konzerne und Investoren, \u00dcberwachung des Stadtraums, B\u00fcrobl\u00f6cke, Prekariat, Konsumterror, Massenevents, Autostadt.  Selbst bei einigen Spitzen der SPD ist die Fragw\u00fcrdigkeit der Agenda 2010 mittlerweile einmal ausgesprochen worden. Die Agenda ist \u00fcberholt und wird von Leuten vertreten, die selbst nie einmal den Auwirkungen der Agenda ausgesetzt waren, die sie nie einmal prek\u00e4r leben oder arbeiten mu\u00dften.<\/p>\n<p>Das ist ja das Fatale an der Politik: Sie schafft Rahmenbedingungen f\u00fcr Andere, w\u00e4hrend sich ihre Vertreter_innen im Amt einrichten (ohne die Verantwortung zu \u00fcbernehmen) oder gleich f\u00fcr ihre Bakschischgeber, den Konzernen, offiziell t\u00e4tig werden.<\/p>\n<p>Auch der Club Spindler &amp; Klatt zeigt, im Gegensatz zu den vorhandenen Clubs links und rechts der Spree, die ja den Bauprojekten weichen sollen, dieses vermeintlich neue Gesicht. Die nicht anders als sexistisch zu beschreibenden Werbeplakate und das geschmacklose, nicht einmal genehmigte Fotoshooting am Holocaustdenkmal zeigen es, das Gesicht eines geschichts- und gesichtslosen Kapitalismus, der nichts kennt au\u00dfer Fassaden, von denen keiner tr\u00e4umen will.<\/p>\n<p><em>Vermutlich besteht f\u00fcr Manche die Welt nur aus Br\u00fcsten und \u00c4rschen. \u00c4rsche scheint es in manchem Projekt gen\u00fcgend zu geben. Vielleicht ist manches Plakat in diesem Sinne zu verstehen.<br \/>\n<\/em><br \/>\nSchaut man sich die Geschehnisse um das Projekt einmal genauer an, dann kann man es keinenfalls als zukunftsweisend oder gar als Gewinn f\u00fcr die Stadt betrachten.  In diesem Sinne: Mit uns, den Menschen, die hier leben, ist \u201eMediaspree\u201c nicht zu machen.<\/p>\n<p><em>Malah Helman<\/em><\/p>\n<p>P.S.: Und die es begreifen, die werden st\u00fcndlich mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus den Reihen des Initiativkreises Mediaspree Versenken wurde das laufende B\u00fcrgerbegehren in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vorgestellt. In einem Beitrag wies ich darauf hin, da\u00df das Argument der Arbeitsplatzschaffung f\u00fcr uns fragw\u00fcrdig ist, da viele dieser neu geschaffenen Arbeitspl\u00e4tze prek\u00e4r sind. 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