{"id":554,"date":"2007-12-05T14:30:20","date_gmt":"2007-12-05T12:30:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/2007\/12\/05\/wohn-und-kulturprojekt-bedroht\/"},"modified":"2013-05-03T22:49:32","modified_gmt":"2013-05-03T20:49:32","slug":"wohn-und-kulturprojekt-bedroht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/?p=554","title":{"rendered":"Wohn- und Kulturprojekt bedroht"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wohn- und Kulturprojekt in der Rigaer Str. 94 von R\u00e4umung bedroht<\/strong><\/p>\n<p>Im Zuge der Besetzungswelle 1990 wurde das Hinterhaus und der Seitenfl\u00fcgel in der Rigaer Str. 94 in Friedrichshain besetzt, mit dem sich die Bewohner den Raum zum Leben, f\u00fcr politische und unkommerzielle Projekte aneigneten. 1992 wurden Vertr\u00e4ge f\u00fcr die Rigaer94 abgeschlossen, um das Projekt zu legalisieren. Der zugesprochene Rahmenmietvertrag wurde im Nachhinein durch das Gericht wieder aberkannt. Im November 2000 kaufte Suitbert Beulker das Haus. Die Bewohner treten seither f\u00fcr die Autonomie ihres Projekts ein.<\/p>\n<p>Seit 7 Jahren versucht S. Beulker das Wohn- und Kulturprojekt aus der Rigaer Str. 94 zu vertreiben. Bisher stie\u00df er jedoch immer auf die Widerspenstigkeit der Bewohner, die nicht hinnehmen, dass ihnen der neue Eigent\u00fcmer ihre Wohn- und Projektr\u00e4ume entziehen will.<\/p>\n<p>Neben unz\u00e4hligen Angriffen durch die Polizei, R\u00e4umungsversuchen und etlichen K\u00fcndigungen der Mietvertr\u00e4ge kam es schon im September 2002 zu einer gr\u00f6\u00dferen R\u00e4umung. Die Ladenfl\u00e4chen der besetzten Kneipe \u201eKadterschmiede\u201c wurden von einem martialischen Aufgebot der Polizei ger\u00e4umt. Die Kneipe besteht seitdem nur noch in den R\u00e4umen des Seitenfl\u00fcgels und des Hinterhauses. Dort finden noch immer unkommerzielle Parties, Informationsveranstaltungen und Volksk\u00fcchen statt. Die \u201eKadterschmiede\u201c ist eine von wenigen \u00fcbriggebliebenen alternativen und selbstbestimmten R\u00e4ume in der Stra\u00dfe. Ziel ist es, Freizeitm\u00f6glichkeiten, (politische) Bildung und Essen zum Selbstkostenpreis anzubieten, ohne daran Profit zu schlagen.<\/p>\n<p>Im Juni dieses Jahres erwirkte S. Beulker neue R\u00e4umungsklagen gegen die noch besetzten R\u00e4ume im Haus. Davon betroffen sind das gesamte Erdgeschoss und die Kneipe, gro\u00dfe Teile des 1. und Teile des 2. Stocks. Es ist damit zu rechnen, dass die R\u00e4umung bald vollstreckt werden soll. \u201eKommt es zu einer R\u00e4umung, verlieren wir nicht nur unsere Kneipe und ein paar Wohnr\u00e4ume, dann steht unser gesamtes Projekt auf dem Spiel\u201c, so ein Bewohner.<\/p>\n<p>Die sich zuspitzende Situation um das r\u00e4umungsbedrohte Projekt Rigaer94 ist allerdings nur ein Teil der neuesten Konflikte in der linken Szene, um die sich neue Proteste und Widerst\u00e4nde formieren. Die R\u00e4umung des Ungdomshuset in Kopenhagen oder die Versteigerung des symboltr\u00e4chtigen Wohn- und Kulturprojekts K\u00f6pi sind Anl\u00e4sse f\u00fcr erneute Demonstrationen zum Thema Freir\u00e4ume, mit mehreren tausend Teilnehmern. Neben der K\u00f6pi sind in Berlin weitere Projekte, so die Liebigstr.14, die Liebigstr.34, die Rigaer Str.78, \u201eSchwarzer Kanal\u201c und die Brunnenstr. 183 massiv von R\u00e4umung und Vertreibung bedroht.<\/p>\n<p>Diese Vertreibungspolitik geht offensichtlich auf das Konto von Umstrukturierungsprogrammen wie beispielsweise dem \u201eMediaSpree-Projekt\u201c, durch die nicht nur linke Projekte auf den \u201ePr\u00fcfstand\u201c kommen, sondern generell finanziell schw\u00e4chere Menschen durch Aufwertungen und Mieterh\u00f6hungen in die Randbezirke gedr\u00e4ngt werden. Ebenso haben diese Menschen stetig weniger Zugang zu Bildung, Freizeiteinrichtungen, Kultur und medizinischer Versorgung und werden bis in die Obdachlosigkeit getrieben. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird zusehends gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Die Widerspenstigkeit der linken\/autonomen Hausprojekte scheint eine der gr\u00f6\u00dften H\u00fcrden f\u00fcr Investoren und Spekulanten zu sein. Da die Projekte sich oft ganz bewusst und konsequent gegen Stadtumstrukturierungen, Aufwertungen mit anschlie\u00dfenden Mieterh\u00f6hungen wehren und zum Teil Eigentum an und f\u00fcr sich in Frage stellen. So bleiben auch die Bewohner der Rigaer94 nach 17 Jahren ihres Bestehens immer noch widerst\u00e4ndig, wehren sich gegen K\u00fcndigungen und Vorhaben des Vermieters und machen jederzeit mobil, wenn es zu Angriffen auf ihr Projekt kommt, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Am 19. Juli z. B. demonstrierten spontan \u00fcber 50 Menschen vor das Wohnhaus vor S. Beulker, um gegen sein Vorgehen und f\u00fcr den Erhalt der Rigaer94 zu protestieren. Grund daf\u00fcr waren die neuen R\u00e4umungsklagen und vor Allem das Verbot einer angemeldeten Demonstration der Bewohner und Sympathisanten. In Zukunft ist wohl mit weiteren Aktionen rund um das Projekt Rigaer94 zu rechnen.<\/p>\n<p>\u201eNach wie vor k\u00e4mpfen wir f\u00fcr die Autonomie unseres Projekts Rigaer94, sowie f\u00fcr einen neuen Rahmenmietvertrag f\u00fcr das gesamte Projekthaus. Wenn auch nur eine Wohnung in unserem Haus ger\u00e4umt werden sollte, steht unser gesamtes Projekt auf der Kippe. Wir werden daher Alles daran setzen, unser Hausprojekt zu verteidigen. Unsere Interessen stehen nuneinmal im krassen Gegensatz zu denen unseres Vermieters, einer jeden Vermietung. Wir sehen Wohnraum als elementares Grundbed\u00fcrfnis eines jeden Menschen, der genau wie Bildung, Kultur und medizinische Versorgung, jedem Menschen gleicherma\u00dfen zur Verf\u00fcgung zu stehen hat, ohne dass daran Kapital geschlagen wird. Vermieter hingegen wollen aber m\u00f6glichst viel Kapital an unseren Bed\u00fcrfnissen gewinnen und treiben daher Mieten in die H\u00f6he, gerade wenn die Nachfrage an Wohnr\u00e4umen und attraktiven Stadtvierteln im Zuge von Aufwertungen und Umstrukturierungen steigt. Genau daf\u00fcr &#8211; Kapitalismus &#8211; haben wir kein Verst\u00e4ndnis (&#8230;)\u201c<\/p>\n<p>Soziale und unkommerzielle Freir\u00e4ume aufbauen und verteidigen!<br \/>\nWir gehen keinen Schritt weiter zur\u00fcck &#8211; Rigaer94 bleibt!<\/p>\n<p><em> Max Klee<\/em><\/p>\n<p><a class=\"imagelink\" title=\"Rigaer 94\" href=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/12\/Rigaer%2094.JPG\"><img decoding=\"async\" id=\"image553\" data-src=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/12\/Rigaer%2094.thumbnail.JPG\" alt=\"Rigaer 94\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" class=\"lazyload\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Weiterf\u00fchrende Links:<\/em><\/p>\n<p><a title=\"Rigaer 94\" href=\"http:\/\/www.rigaer94.squat.net\">Rigaer 94 <\/a><br \/>\n<a title=\"Rigaer Stra\u00dfe Fights back!\" href=\"http:\/\/rigaer-strasse.blogspot.com\">Rigaer Stra\u00dfe fights back!<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wohn- und Kulturprojekt in der Rigaer Str. 94 von R\u00e4umung bedroht Im Zuge der Besetzungswelle 1990 wurde das Hinterhaus und der Seitenfl\u00fcgel in der Rigaer Str. 94 in Friedrichshain besetzt, mit dem sich die Bewohner den Raum zum Leben, f\u00fcr politische und unkommerzielle Projekte aneigneten. 1992 wurden Vertr\u00e4ge f\u00fcr die Rigaer94 abgeschlossen, um das Projekt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13,18],"tags":[],"class_list":["post-554","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-stadt-als-beute","category-no-go-area-wir-bleiben-alle"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/554","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=554"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/554\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3052,"href":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/554\/revisions\/3052"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=554"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=554"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=554"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}