{"id":600,"date":"2008-02-20T18:33:48","date_gmt":"2008-02-20T16:33:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/2008\/02\/20\/kreuzberg-baut-die-mauer-wieder-auf\/"},"modified":"2013-05-03T20:12:43","modified_gmt":"2013-05-03T18:12:43","slug":"kreuzberg-baut-die-mauer-wieder-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/?p=600","title":{"rendered":"Kreuzberg baut die Mauer wieder auf"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"imagelink\" title=\"Bethanien\" href=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Bethanien.jpg\"><img decoding=\"async\" id=\"image601\" data-src=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Bethanien.thumbnail.jpg\" alt=\"Bethanien\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" class=\"lazyload\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ein Soziales, Politisches, K\u00fcnstlerisches und Kulturelles Zentrum Bethanien steht kurz vor dem Durchbruch \u2013 und droht am Widerstand der \u201eHochkultur\u201c zu scheitern.<\/p>\n<p>Das Bethanien wird nicht privatisiert. Alles deutet darauf hin, dass die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Friedrichshain-Kreuzberg noch in diesem Monat beschlie\u00dfen wird, das Bethanien in die gemeinn\u00fctzige Tr\u00e4gerschaft der Gesellschaft f\u00fcr Stadtentwicklung (GSE) zu \u00fcbergeben. Der Verbleib der aktuellen Nutzer ist gesichert. Das Bethanien als Soziales, Politisches, K\u00fcnstlerisches und Kulturelles Zentrum r\u00fcckt einen gro\u00dfen Schritt n\u00e4her.<\/p>\n<p>Erreicht ist ein Ort der Kooperation und Integration damit jedoch noch nicht. Denn die Beschlussvorlage ist nicht nur Ergebnis eines langen, basisdemokratischen Prozesses, sondern auch ein Resultat seiner Verweigerung. Eine Trennung zwischen \u201eSoziokultur\u201c und \u201eHochkultur\u201c, die es so ja gar nicht gibt, soll im zuk\u00fcnftigen Bethanien auch baulich festgeschrieben werden. Die etablierte Kunst soll durch den Haupteingang erreichbar sein, die Soziokultur im Seitenfl\u00fcgel verschwinden, hinter einer Mauer, wo sie nicht sichtbar ist.<\/p>\n<p>Diese Trennung hatte der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der <a title=\"K\u00fcnstlerhaus Bethanien GmbH\" href=\"http:\/\/www.bethanien.de\">K\u00fcnstlerhaus Bethanien GmbH<\/a> immer wieder und unmissverst\u00e4ndlich beschworen. Am Runden Tisch, und damit am demokratischen Aushandlungsprozess beteiligt hat er sich allerdings nicht. Die <a title=\"IZB - Initiative Zukunft Bethanien\" href=\"http:\/\/www.bethanien.info\">Initiative Zukunft Bethanien<\/a> (IZB) sieht die Idee eines offenen, integrativen Ortes, mitten im von sozialer Polarisierung und Verdr\u00e4ngung geplagten Kreuzberg, dadurch gef\u00e4hrdet. Sie fordert die Verankerung des im September 2006 durch die BVV beschlossenen \u201eselbstverwalteten Interkulturellen AnwohnerInnenforums\u201c &#8211; (<a title=\"SOFA - Selbstverwaltetes Offenes Forum der AnwohnerInnen\" href=\"http:\/\/sofa-im-bethanien.blogspot.com\">sOfa<\/a>) im Vorderhaus und ein brauchbares Auswahlverfahren zur Vergabe der freien Fl\u00e4chen, das sowohl sozial, politisch, kulturell als auch k\u00fcnstlerisch engagierte Gruppen und Institutionen gleicherma\u00dfen beg\u00fcnstigt.<\/p>\n<p>Nahezu 14.000 Menschen unterst\u00fctzten mit ihren Unterschriften die f\u00fcnf Kernpunkte des Konzepts eines \u201eSozialen, Politischen, K\u00fcnstlerischen und Kulturellen Zentrums\u201c im Bethanien. Zuvor war das Konzept in zahlreichen Ideenwerkst\u00e4tten und Offenen Kieztreffen gemeinsam mit Anwohnern und Interessierten ausgearbeitet worden. Mit ihrem Beschluss vom 4. September 2006 entsprach die BVV Friedrichshain-Kreuzberg weitestgehend den Forderungen. An einem \u201eRunden Tisch\u201c unter dem Vorsitz von Bezirksb\u00fcrgermeister Franz Schulz (B\u00fcndnis90\/Die Gr\u00fcnen) sollten bis Ende 2007 die Nutzer des Bethanien und die IZB gemeinsam mit dem Bezirksamt und den BVV-Fraktionen die Details ausarbeiten, die f\u00fcr die Umsetzung des Beschlusses noch zu kl\u00e4ren waren. Eine \u201eInitiativplattform\u201c, ebenfalls mit Stimmrecht am Runden Tisch, brachte zudem Anwohner und Initiativen zusammen, die sich f\u00fcr freie Fl\u00e4chen interessierten.<\/p>\n<p>Die Arbeit an einem Konzept f\u00fcr die Zukunft des Bethanien wurde von einem Konflikt \u00fcberschattet, welcher insbesondere von Christoph Tannert, dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der K\u00fcnstlerhaus Bethanien gGmbH, mit Vehemenz und Leidenschaft in die \u00d6ffentlichkeit getragen wurde. Tannert beteiligte sich nicht am Runden Tisch, der gr\u00f6\u00dfte Nutzer im Haus war somit nicht vertreten. Stattdessen nutzte er die Medien, um gegen die \u201eKiezd\u00f6del, Pseudo-Linken und Gerontokraten\u201c zu polemisieren. Der Chef des K\u00fcnstlerhauses sagt: \u201eDas Bethanien ist zu einer Besetzerhochburg geworden, und das zerst\u00f6rt den guten Ruf unseres Kulturinstituts.\u201c Vielleicht ist es auf seine kontinuierliche Abwesenheit am Runden Tisch zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass er die vielen an R\u00e4umen interessierten Projekte mit seiner Vorstellung von \u201eBesetzern\u201c in einen Topf wirft. Im Konflikt, den Tannert zwischen Besetzern und Mietern konstruiert, wird von dem Erfolg des <em>B\u00fcrgerbegehrens<\/em> abgelenkt. Zugleich verpufft jede Bem\u00fchung um konstruktive Konzeptarbeit. Zwischen die Fronten sind dabei zumindest die Bewerber um R\u00e4ume im Bethanien geraten.<\/p>\n<p>Aber es ist nicht das erste Mal, dass Tannert als polternder Verweigerer in Erscheinung tritt. Mit der Modeschule ESMOD und der Schauspielschule \u201eErnst Busch\u201c scheiterten bereits zwei Versuche, freie Fl\u00e4chen im Bethanien-Haupthaus prominent zu besetzen, an Tannerts Blockadehaltung. Auch dieses Mal scheinen alle Versuche vergeblich, Tannert ein kooperatives Verhalten abzuringen, einschlie\u00dflich eines moderierten Gespr\u00e4ches zwischen ihm und Vertretern der <a title=\"NewYorck 59 im Bethanien\" href=\"http:\/\/www.yorck59.net\">New Yorck<\/a> und der IZB.<\/p>\n<p>Der am \u201eRunden Tisch\u201c &#8211; ohne Tannert &#8211; erarbeitete Vorschlag wurde im Dezember letzten Jahres der BVV vorgelegt. Das Haupthaus des Bethanien soll dem gemeinn\u00fctzigen Tr\u00e4ger GSE zur Treuhand gegeben und inhaltlich von den Nutzern selbst verwaltet werden. Das Soziale, Politische, K\u00fcnstlerische und Kulturelle Zentrum Bethanien liegt damit zum Greifen nah, nur: Es wird geteilt. Der \u201er\u00e4umliche Schwerpunkt soziokultureller und politischer Erg\u00e4nzungsangebote zum k\u00fcnstlerischen und kulturellen Profil des Hauses Bethanien wird im S\u00fcdfl\u00fcgel verortet\u201c, so die von B\u00fcrgermeister Schulz gezeichnete Beschlussvorlage. Mietvertr\u00e4ge mit den Besetzern der New Yorck und dem Ende 2007 im Haupthaus eingerichteten sOfa werden an Bedingungen gekn\u00fcpft: Zum Einen soll der S\u00fcdfl\u00fcgel \u201ebaulich\u201c vom Rest des Hauses getrennt werden, zum Anderen soll sich das sOfa mit den anderen Nutzern \u00fcber die Gestaltung des Foyers einigen. Die Linkspartei und die SPD gehen noch weiter und wollen ein Forum der Anwohner nur in dezentem Abstand im Seitenfl\u00fcgel sehen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die \u201eetablierte\u201c Kunst und Kultur also Anspruch auf einen Gro\u00dfteil des Geb\u00e4udes erheben darf, werden \u201eSoziokultur\u201c und politische Initiativen auf den S\u00fcdfl\u00fcgel verwiesen, als ob sie nur die Angelegenheit einer unerheblichen Minderheit w\u00e4ren. Dieser Konflikt, der als ein personeller \u00f6ffentlich in Erscheinung trat und nun baulich festgeschrieben werden soll, steht stellvertretend f\u00fcr die aktuelle Situation in Kreuzberg und in anderen Teilen der Stadt. Diese Polarisierung \u2013 zwischen Arm und Reich, migrantisch oder nicht, etabliert und marginalisiert \u2013 sollte ein Soziales Zentrum Bethanien gerade aufbrechen. Der gesellschaftlichen Logik von Konkurrenz und Ausschluss sollte die Vision der Kooperation und des Miteinanders entgegen gehalten werden.<\/p>\n<p>Deshalb fordert die IZB, die Trennung zwischen \u201eKultur\u201c und \u201eSoziokultur\u201c aufzuheben und konkret Folgendes zu beschlie\u00dfen: Das interkulturelle <em>Anwohnerforum<\/em> soll, wie bisher, R\u00e4ume f\u00fcr seine T\u00e4tigkeit im Vorderhaus anmieten d\u00fcrfen. Und das moderierte Auswahlverfahren f\u00fcr die Vergabe der leeren R\u00e4ume soll, wie von der Initiativplattform ausgearbeitet und vorgeschlagen, moderiert fortgef\u00fchrt werden. Die ersten Schritte auf dem Weg zu einem Sozialen, Politischen, K\u00fcnstlerischen und Kulturellen Zentrum Bethanien, mitten in Kreuzberg, wo es so dringend gebraucht wird, sind getan. Bezirksverwaltung, Anwohner und Nutzer haben bereits gro\u00dfes Engagement und demokratische Kreativit\u00e4t bewiesen. Nun kommt es darauf an, weiter an einem offenen, integrativen \u2013 und damit politischen (!) &#8211; Ort zu arbeiten und nicht in alte Konflikt- und Denkmuster zur\u00fcckzufallen.<\/p>\n<p><strong> Diskussionsveranstaltung im Bethanien-Casino<\/strong><\/p>\n<p>Die Initiative Zukunft Bethanien l\u00e4dt f\u00fcr Donnerstag, den 21.2.2008 um 20 Uhr ins Bethanien zur Diskussion, um den Prozess vom <em>B\u00fcrgerbegehren<\/em> \u00fcber die Runden Tische bis zur derzeitigen Beschlussvorlage zu diskutieren.<\/p>\n<p><a title=\"IZB aktuell\" href=\"http:\/\/www.bethanien.info\/home\/aktuell.html\">Weitere Informationen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Soziales, Politisches, K\u00fcnstlerisches und Kulturelles Zentrum Bethanien steht kurz vor dem Durchbruch \u2013 und droht am Widerstand der \u201eHochkultur\u201c zu scheitern. Das Bethanien wird nicht privatisiert. 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