{"id":625,"date":"2008-04-03T18:45:22","date_gmt":"2008-04-03T16:45:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/2008\/04\/03\/tempelhof-muss-offen-bleiben\/"},"modified":"2010-02-01T14:21:10","modified_gmt":"2010-02-01T12:21:10","slug":"tempelhof-muss-offen-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/?p=625","title":{"rendered":"Tempelhof muss offen bleiben"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Der B\u00f6se Wolf erkl\u00e4rt Berlin<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Tempelhof muss offen bleiben!<\/p>\n<p>Nach dem Ende des Flugbetriebs drohen Privatisierung,  \u201eAufwertung\u201c und die Verdr\u00e4ngung \u00e4rmerer Bev\u00f6lkerungsschichten.<\/p>\n<p>\u201eIck zahl doch nicht f\u00fcr &#8217;n VIP-Flughafen\u201c und andere geistreiche Parolen haben sich die Gegner des Flughafenbetriebs in Tempelhof ausgedacht, sie auf Plakate gedruckt und in der ganzen Stadt aufh\u00e4ngen lassen. Diese Kampagne lassen sich SPD und DIE LINKE, die mit den Gr\u00fcnen, der AWO und diversen anderen Gruppierungen Teil des \u201eB\u00fcndnisses f\u00fcr ein flugfreies Tempelhof\u201c sind, jeweils um die 50.000 Euro kosten. Immerhin besteht hier eine relative Transparenz der Finanzierung, wohingegen die Bef\u00fcrworter des Flugbetriebs von ICAT und anderen mit Details zur Finanzierung ihrer Kampagne weitestgehend zur\u00fcckhaltend sind.<\/p>\n<p>Um eines vorweg zu nehmen: Die Kampagne von <a title=\"ICAT\" href=\"http:\/\/www.tempelhof-retten.de\">ICAT<\/a>, CDU und Gunter Gabriel ist piefig und ihre Zielvorstellungen zum Flughafen sind Blendwerk. Das Schlimme an der Sache ist, dass es sich mit der Kampagne des B\u00fcndnisses gegen den Flugbetrieb genauso verh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich ist es f\u00fcr die Anwohner nervt\u00f6tend, wenn Flugzeuge \u00fcber ihre D\u00e4cher donnern. Und selbstverst\u00e4ndlich ist der Flugbetrieb in Tempelhof verkehrspolitisch unn\u00f6tig. Aber die Gegner des Flugbetriebs suggerieren mit ihrer Kampagne, dass nach dessen Ende im Herbst 2008 eine Art Naturpark mit Kornblumenwiesen und Ententeichen auf dem Flugfeld entsteht, ges\u00e4umt von ein paar neu zu errichtenden und metropolenw\u00fcrdigen \u201eQuartieren\u201c, die \u2013 das versteht sich ja von selbst \u2013 Tempelhof zum \u201eZukunftsstandort\u201c machen sollen.<\/p>\n<p>Und hier liegt der Hase im Pfeffer: Es existiert bislang  weder ein standfestes Baukonzept noch ein Konzept zu dessen sozialer und stadtpolitisch vern\u00fcnftiger Umsetzung. Immerhin geht es um ein Areal von 386 Hektar, fast doppelt so gro\u00df wie der Tiergarten. Wenn man die Stellungnahmen von Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer liest, f\u00fchlt man sich entweder an einen kleinst\u00e4dtischen Immobilienfondsprospekt (\u201e&#8230;werden diese Quartiere die M\u00f6glichkeit bieten, mitten in der Stadt und doch im Gr\u00fcnen zu wohnen.\u201c) oder an die gute alte Zeit erinnert, als sich Berufsberliner wie Diepgen und Landowsky noch im Metropolenwahn ergingen (\u201e&#8230;au\u00dferordentliche Chancen f\u00fcr die Metropole Berlin.\u201c). Auch von der gr\u00fcnen Fl\u00e4che, die einen gro\u00dfen Teil des neu gestalteten Areals ausmachen soll, ist Frau Junge-Reyer begeistert: \u201eDie Parklandschaft Tempelhof ist nicht nur ein Park, sie ist die Verbindung von erlebter Landschaft und Weite mit der Funktion eines Parks.\u201c Laut der vorl\u00e4ufigen Planung des Landes Berlin soll diese erlebte Landschaft umgeben sein vom \u201eTempelhofer Forum \u2013 Adresse f\u00fcr Kultur-, Medien und Kreativwirtschaft\u201c, dem \u201eStadtquartier Tempelhof \u2013 Adresse f\u00fcr Zukunftstechnologien\u201c, dem \u201eColumbia-Quartier \u2013 Adresse f\u00fcr innovatives Wohnen\u201c und dem \u201eStadtquartier Neuk\u00f6lln \u2013 Adresse f\u00fcr st\u00e4dtisches Wohnen am Park\u201c. Insgesamt sollen auf dem Flughafengel\u00e4nde ca. 5.000 Wohnungen entstehen und nat\u00fcrlich auch Tausende von Arbeitspl\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Man sollte jedoch nicht meinen, diese h\u00fcbschen Pl\u00e4ne w\u00fcrden bald und z\u00fcgig umgesetzt. Im Gegenteil, der Senat hat irgendwie verschnarcht, dass der Flugbetrieb schon in diesem Jahr beendet wird und einen \u201eIdeenwettbewerb\u201c f\u00fcr die konkrete Gestaltung der geplanten \u201eQuartiere\u201c erst f\u00fcr diesen Sommer ausgerufen. Ab 2009 soll dann mit der Vermarktung des Areals begonnen werden, ab 2012 soll gebaut werden. Falls die Eigentumsverh\u00e4ltnisse zwischen Bund und Land bis dahin gekl\u00e4rt sein sollten. Vermarktung bedeutet wohl, dass au\u00dfer der erlebten Parklandschaft der Rest des Areals parzelliert und verkauft wird. Als K\u00e4ufer werden sich schon die richtigen finden. Wenn wir uns, um nah beim Thema zu bleiben, an die mafi\u00f6sen Grundst\u00fccksgesch\u00e4fte rund um das Areal des Flughafen Sch\u00f6nefeld\/BBI erinnern, steht schnell zu vermuten, dass die Baumafia auch hier zuschlagen wird. Vielleicht mit dem Unterschied, dass diesmal auch international t\u00e4tige Heuschrecken mitmischen.<\/p>\n<p>Und das war es dann auch mit der wohlfeilen Illusion der Flughafengegner, hier w\u00fcrde irgendetwas \u201ef\u00fcr alle Berlinerinnen und Berliner\u201c geschaffen. Hier werden moderne B\u00fcros, teure Wohnungen und exklusive Lofts entstehen \u2013 bei Junge-Reyer hei\u00dft das eben \u201eArbeitspl\u00e4tze und innovatives Wohnen\u201c. Aus dem angeblichen VIP-Flughafen wird ein VIP-Wohnbereich. Und damit nicht genug. Unter der Hand sprechen SPD und LINKE davon, dass das gesamte Gebiet um den ehemaligen Flughafen \u2013 also Teile von Tempelhof, Neuk\u00f6lln und Kreuzberg &#8211;  \u201eaufgewertet\u201c werden soll. Und \u201eAufwertung\u201c hei\u00dft in erster Linie: Steigende Mieten. Die Menschen, die die hohen Mieten zahlen k\u00f6nnen, werden die Sicht auf die erlebte Parklandschaft weiterhin genie\u00dfen. Wer nicht so viel Geld hat, der muss eben woanders hinziehen. Man kennt das ja zum Beispiel aus Prenzlauer Berg. Profitieren wird von dem ganzen Projekt in erster Linie die Baumafia \u2013 und zwar \u00fcber Jahre. Hier hat sich der rot-rote Senat eine gewisse Kontinuit\u00e4t zu seinen Vorg\u00e4ngern bewahrt.<\/p>\n<p>Eine Schlie\u00dfung von Tempelhof als Flughafen bedeutet also nicht unbedingt etwas Gutes f\u00fcr Berlin und seine Bev\u00f6lkerung. Durch die Privatisierung des zu bebauenden Flughafenareals wird es, das lehrt die Berliner Erfahrung, schwer oder unm\u00f6glich werden, auf die Bebauung im Sinne einer sozial ausgewogenen Stadtpolitik Einfluss zu nehmen. Dass der Berliner SPD das egal ist, sollte bei deren Geschichte nicht verwundern. Dass die Gr\u00fcnen als das \u00d6ko-Gewissen besserverdienender Kreise dieses Problem gar nicht sehen, verwundert auch nicht. Eher verwunderlich ist, dass die DIE LINKE au\u00dfer der platten Botschaft \u201eTempelhof schlie\u00dfen\u201c \u00fcberhaupt nichts zu bieten hat. Und dabei tr\u00e4gt sie mit ihrer ideen- und inhaltslosen Agitation ungewollt zum Ausschluss \u00e4rmerer Bev\u00f6lkerungsteile aus dem sch\u00f6nen neuen Tempelhof bei. W\u00e4re die DIE LINKE nicht so zahnlos, m\u00fcsste gerade sie \u2013 als Teil der Regierung \u2013 sich offensiv daf\u00fcr einsetzen, dass das neue Tempelhof offen bleibt \u2013 und zwar f\u00fcr alle, nicht nur f\u00fcr die Latte-Macchiato-Fraktion.<\/p>\n<p><em>Benedict Ugarte Chac\u00f3n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der B\u00f6se Wolf erkl\u00e4rt Berlin Tempelhof muss offen bleiben! 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