{"id":686,"date":"2008-05-10T16:58:07","date_gmt":"2008-05-10T14:58:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/2008\/05\/10\/verschmelzungen\/"},"modified":"2013-07-08T19:17:27","modified_gmt":"2013-07-08T17:17:27","slug":"verschmelzungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/?p=686","title":{"rendered":"Verschmelzungen"},"content":{"rendered":"<p><strong>R\u00e4ume individueller und gesellschaftlicher Transformation<\/strong><\/p>\n<p>Soziale Wirklichkeit besteht aus Widerspr\u00fcchen. Hieraus ergeben sich Spannungsfelder, die Reibungspotentiale und R\u00e4ume f\u00fcr Auseinandersetzung schaffen. Soziale Nischen und zerr\u00fcttete Orte sind Felder, die auf Begebenheiten und M\u00f6glichkeiten fern ab der dominanten Gesellschaftsdiskurse, die unser Bewusstsein und unseren Blick auf die Welt weitestgehend pr\u00e4gen, verweisen. Geb\u00e4ude und Gebiete, die mit Prozessen des Verfalls und des Ausgegrenztseins zu beherrschen versucht werden, stehen exemplarisch und stellvertretend f\u00fcr eine generelle Entwertungslogik, die Menschen in der umfassend erodierten Arbeitsgesellschaft handlungsunf\u00e4hig macht, sozial isoliert und stigmatisiert. Allerdings liegen die Ursachen der Ausgrenzung so gut wie nie am Ort ihrer Erscheinung!<\/p>\n<p>Diese zerr\u00fctteten R\u00e4ume markieren Bruchstellen im Gesellschaftsgef\u00fcge \u2013 sie bilden die notwendigen L\u00fccken, um individuelle und gesellschaftliche Verengungen und rigide Kategorisierungen zu durchqueren, indem freies, experimentelles Denken m\u00f6glich wird. Randst\u00e4ndige und verfallene Geb\u00e4ude fungieren als eine Art Transfermedium \u2013 sie sind nicht einfach nur Boten, noch viel weniger einfach nur Botschaft, denn sie lassen das Spiel gegenseitiger Projektion zu. Diese M\u00f6glichkeit unverf\u00e4lschter und uneingeschr\u00e4nkter Interaktion macht sie zu wertvollen Sch\u00e4tzen in einer vom Sicherheitswahnsinn geplagten Gesellschaft, die Vielfalt und Bewegungsoptionen unentwegt reduziert.<\/p>\n<p>Betrete ich Fl\u00e4chen und Orte, trage ich mein Selbst an etwas heran, gew\u00e4hre aber auch Raum, um Intentionen und Zust\u00e4nde der Geb\u00e4ude in mich aufzunehmen. Resultat dieser Vorg\u00e4nge sind Begegnungen und Geschehnisse, die aus individuellen Eigenheiten und gesellschaftlichen Begebenheiten etwas Neues hervorbringen \u2013 Verschmelzungen. Diese Inhalte und Sichtweisen vermittle ich auf der Grundlage meiner fotografischen Arbeiten, die als sozialkritischer Beitrag bez\u00fcglich der herrschenden Verh\u00e4ltnisse zu fassen sind.<\/p>\n<p>Die Orte der Leere verk\u00f6rpern Prozesse praktischer und symbolischer Entstrukturierung, die mit der Aufl\u00f6sung herk\u00f6mmlicher Denk- und Deutungsmuster einhergeht. Demnach liegt das Potential geradezu in der sozialen Entbundenheit dieser Gebiete. Auf der Grundlage des Ausschlusses ergeben sich notwendige, individuelle und gesellschaftliche \u00d6ffnungen, die nach einer Neubewertung sowie nach einem ver\u00e4nderten Umgang verlangen. Unmarkiertheit und Definitionslosigkeit bilden hier das Fundament f\u00fcr Neuordnung und Neuverortung sozial degradierter R\u00e4ume.<\/p>\n<p>Unter diesem Vorzeichen lassen sich einfache und randst\u00e4ndige Architekturst\u00fccke in Raum- und Zeitschiffe verwandeln. Trotz sozialer Stigmatisierung und massiven Zerr\u00fcttungen spiegeln diese Geb\u00e4ude (-Komplexe) Visionen und Intentionen ihrer ehemaligen Daseinsberechtigung ungebrochen wieder. Dieser Umstand, der von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung ist, macht sie zu besonderen Orten. Denn an ihnen k\u00f6nnen die Widerspr\u00fcchlichkeiten im sozialen Raum gesehen und praktisch erlebt werden. Sie stellen Zwischenr\u00e4ume dar, in denen die uns vertrauten Zeitgrenzen verwischt und verschiedene Zeitr\u00e4ume \u00fcbereinander gelegt werden. Ein Geb\u00e4ude zu sehen, das in seiner Konzeption und Baustruktur die Vision einer klaren und besseren Zukunft wiederspiegelt, aber dessen aktueller Zustand auf Grund massiver Zerr\u00fcttungen eher einer Ruine gleicht, erfordert das Denken von Gleichzeitigkeit ganz unterschiedlicher Zeiten und Dimensionen bez\u00fcglich eines Objekts. Dies bedarf einer intensiven Auseinandersetzung und der Hinterfragung gesellschaftlicher Verh\u00e4ltnisse sowie der F\u00e4higkeit zur Selbstkonfrontation.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R\u00e4ume individueller und gesellschaftlicher Transformation Soziale Wirklichkeit besteht aus Widerspr\u00fcchen. Hieraus ergeben sich Spannungsfelder, die Reibungspotentiale und R\u00e4ume f\u00fcr Auseinandersetzung schaffen. 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