{"id":725,"date":"2008-06-07T19:52:35","date_gmt":"2008-06-07T17:52:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/2008\/06\/07\/warum-wir-freie-raume-brauchen\/"},"modified":"2013-07-08T19:01:10","modified_gmt":"2013-07-08T17:01:10","slug":"warum-wir-freie-raume-brauchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/?p=725","title":{"rendered":"Warum wir freie R\u00e4ume brauchen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Notwendigkeit von L\u00fccke und Leere im urbanen Raum<\/strong><\/p>\n<p>Wenn ich mich durch diese Stadt voller sichtbarer Zeitbr\u00fccken und -br\u00fcche bewege, dann dringen insbesondere die abger\u00e4umten Fl\u00e4chen in mein Wahrnehmungsfeld. Genau dort f\u00e4llt n\u00e4mlich nicht nur im tats\u00e4chlichen Sinne mehr Licht auf Personen und Dinge, die sich tempor\u00e4r darauf befinden, sondern es kann auch im \u00fcbertragenen Sinne mehr Licht auf das eigene Selbst einwirken. Denn auf einem verlassenen Gebiet oder in einem zerst\u00f6rten Geb\u00e4ude r\u00fcckt das sch\u00fctzende Geflecht gesellschaftlicher Relationen in den Hintergrund, im Gegenzug dazu treten individuelle Zust\u00e4nde st\u00e4rker in den Vordergrund \u2013 ein gro\u00dfartiges Feld der Beleuchtung.<\/p>\n<p>Pl\u00e4tze und Zust\u00e4nde unmittelbarer und symbolischer Zerrissenheit haben die Prozesse gesellschaftlicher Entwertung reichlich durchlaufen. Wer sich mal in einen solchen Raum oder in ein solches Feld begibt, der wird ein gesellschaftlich randst\u00e4ndiges Durcheinander vernehmen \u2013 ein Feld der Verirrung und Verwirrung \u2013 voll von Resten, Scherben und Liegengelassenem. Wer sieht schon gerne die Reste vormals funktionierender Orte und Verh\u00e4ltnisse? Wer sieht schon gerne in sich hinein und st\u00f6\u00dft dabei auf Bruchstellen und gesellschaftlich negativ konnotiertes Material? Im Normalfall bietet die M\u00f6glichkeit \u00fcppigster Konsumtion Schutz vor solchen Momenten des Fragens und Erkennens. Speziell deshalb eignen sich gerade leere und verlassene Fl\u00e4chen zwischen herk\u00f6mmlich funktionierenden Geb\u00e4uden und Strukturen, um der Imagination sowie der Experimentalit\u00e4t ganz unterschiedlicher Personen Raum einzur\u00e4umen, ohne dass diese sich in die private Kammer zur\u00fcckziehen m\u00fcssen. Die tendenzielle Undefiniertheit und Offenheit dieser Gebiete &#8211; in struktureller und inhaltlicher Dimension \u2013 erm\u00f6glichen, aber erfordern auch Denken, Handlungen und Kommunikationen, die mit den \u00fcberkommenen Vorgaben reiner Effizienzlogik und Expansionsbestrebungen aufzur\u00e4umen beginnen. Hieraus resultieren Leerstellen im Denken \u2013 Konfrontation mit Neuem. Ein ver\u00e4ndertes Denken kann eben genau dann entstehen, wenn die inneren und \u00e4u\u00dferen L\u00fccken \u2013 im Denken von Personen und im physischen Raum \u2013 nicht sofort wieder geschlossen werden, sei es aus Angst, Not, Gewohnheit, Pragmatismus oder Sicherheitsbestrebungen.<\/p>\n<p>Leere und L\u00fccke im urbanen Raum bieten Fl\u00e4chen f\u00fcr Projektionen, da etwas an sie herangetragen, aber auch etwas von ihnen mitgenommen werden kann \u2013 Impulssendungen und Verh\u00e4ltnisse entstehen und vollziehen sich. Hier geht es nicht um Aneignung, sondern um Austausch. Hier geht es nicht mehr um Dauerhaftigkeit \u2013 Ideen in Beton gie\u00dfen \u2013 vielmehr um Raum, der frei bleibt, um prek\u00e4re Transformationen in erweiterte Denkformationen zu erm\u00f6glichen. Diese Orte sind nicht das Finale, sie sind die Wegbereiter f\u00fcr vielerlei Ideen verschiedenster Personen. Wer die Mauern, die Z\u00e4une oder die Behelfskonstruktionen in sich und im physischen Raum an mancher Stelle \u00fcberwindet und ein St\u00fcck weit hinter sich l\u00e4sst \u2013 aus \u00dcberlebensgr\u00fcnden oder einfach nur aus Lust am Leben \u2013 die\/der entfernt sich zumindest f\u00fcr ein paar Momente vom Verlangen nach Gewissheit und erlebt Ungeregeltes, vielleicht auch Schockierendes, aber in jedem Fall nachhaltig Bewegendes. So etwas kann man jeden Tag machen. Dazu braucht man kein Geld. Zumeist befinden sich solche Orte schon um die Ecke der eigenen Kammern.<\/p>\n<p><em>Die andere Person<\/em><\/p>\n<p><a title=\"1\" href=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/%281%29%20Dinos.jpg\"><img decoding=\"async\" id=\"image715\" data-src=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/%281%29%20Dinos.thumbnail.jpg\" alt=\"(1) Dinos.jpg\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" class=\"lazyload\" \/><\/a> <a title=\"2\" href=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/%282%29%20Fl%C3%A4che-mit-Blumen.JPG\"><img decoding=\"async\" id=\"image716\" data-src=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/%282%29%20Fl%C3%A4che-mit-Blumen.thumbnail.JPG\" alt=\"(2) Fl\u00c3\u00a4che-mit-Blumen.JPG\" 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