{"id":88,"date":"2006-11-22T22:08:54","date_gmt":"2006-11-22T20:08:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abrissberlin.de\/blog\/2006\/11\/22\/weiterer-abriss-skandal\/"},"modified":"2013-05-03T21:05:01","modified_gmt":"2013-05-03T19:05:01","slug":"weiterer-abriss-skandal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/?p=88","title":{"rendered":"Weiterer Abriss-Skandal"},"content":{"rendered":"<p>Nun ist auch die Elite aufgewacht und traf sich am letzten Sonntag zur Besichtigung des Ziesel-Baus in Obersch\u00f6neweide, d. h. zu dem was noch zu sehen war. Und das war nicht mehr viel, weit mehr als die H\u00e4lfte ist schon abgerissen, die Denkmalw\u00fcrdigkeit des Geb\u00e4udes nur noch zu ahnen.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr war der Ort der Einladung, das KabelkranCaf\u00e9, einen Sonntagsausflug wert. Auf dem ehemaligen Gel\u00e4nde des KWO (Kabelwerk Oberspree) steht am Ende ein ausgebautes Kranh\u00e4uschen, gro\u00dfe Glasfenster und ein Caf\u00e9interieur &#8211; in schwarz\/wei\u00df gehalten &#8211; zeigen den neuen Geist des Ortes an.<\/p>\n<p>Nach der Diktatur des Proletariats kommt die Diktatur des Geldes und bedauert den Abriss eines Geb\u00e4udes. Wo die Menschen geblieben sind, die hier einmal gearbeitet haben, was sie jetzt wohl machen und warum das gesamte KWO seit Jahren vor sich hin stirbt, interessiert niemanden. Das Quartiersmanagement, der Erneuerungsbeauftragte des Senates und sogar ein Community Organizer haben es nicht geschafft, den Denkmalwert des Ziesel-Baus in die Entwicklung des Standortes der FHTW (Fachhochschule f\u00fcr Technik und Wirtschaft) hineinzubringen, bzw. das Geb\u00e4ude in seinem Denkmalwert entsprechend zu platzieren.<\/p>\n<p>Selbst <a title=\"Initiative Kabelfabrik\" href=\"http:\/\/www.denk-mal-industrie.de\">die studentische Initiative<\/a> stand in den letzten Monate ziemlich einsam da. So, nun waren aber alle zusammengekommen, leicht Gr\u00fcn-lastig, und besprachen die n\u00e4chsten Schritte. Daraufhin zogen die Studenten am n\u00e4chsten Tag, Montag fr\u00fch um 7 Uhr, vor den Abrisskran und hielten die Arbeiten f\u00fcr eine Stunde auf. Die Experten versuchten ein Gespr\u00e4ch mit Frau Junge-Reyer und durften ihre Qualit\u00e4t als Parteisoldatin erleben: Entschluss gefa\u00dft &#8211; alles richtig gemacht &#8211; keine Diskussion mehr \u2013 Punkt.<\/p>\n<p>Nur eine Dozentin f\u00fcr Fotographie unterst\u00fctzte die Studenten bei der kurzfristigen Besetzung der Baustelle. Ich traf sie dort und wollte es einfach nicht glauben. Wie kaum ein Andere hat sie mit ihren Bildern mein Frauenbild als junges M\u00e4dchen gepr\u00e4gt. Erst viel sp\u00e4ter, als die Mauer l\u00e4ngst gefallen war und Werbung, \u00fcbergro\u00df und dauerpr\u00e4sent im \u00f6ffentlichen Raum, den ganz allt\u00e4glichen Wahnsinn des K\u00e4uflichen, des Warenfetisch in das Unterbewu\u00dftsein hineinbohrte, ist mir diese ostdeutsche Frauen-Sozialisation als Schatz aufgefallen.<\/p>\n<p>So standen wir fr\u00fch um 7 Uhr vor den Baggern, die Experten schliefen noch, tranken langsam ihren Kaffee und gingen Stunden sp\u00e4ter zur Senatorin. Ob diese vielf\u00e4ltigen Wege nochmal zusammen kommen? W\u00e4hrenddessen geht der Abriss weiter und morgen gibt es eine Pressekonferenz&#8230;<\/p>\n<p><em>Karin Baumert<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun ist auch die Elite aufgewacht und traf sich am letzten Sonntag zur Besichtigung des Ziesel-Baus in Obersch\u00f6neweide, d. h. zu dem was noch zu sehen war. Und das war nicht mehr viel, weit mehr als die H\u00e4lfte ist schon abgerissen, die Denkmalw\u00fcrdigkeit des Geb\u00e4udes nur noch zu ahnen. 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