{"id":922,"date":"2008-11-01T03:51:36","date_gmt":"2008-11-01T01:51:36","guid":{"rendered":"http:\/\/abriss-berlin.de\/blog\/?p=922"},"modified":"2010-02-01T14:13:47","modified_gmt":"2010-02-01T12:13:47","slug":"luftschlosser-am-gasometer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/?p=922","title":{"rendered":"Luftschl\u00f6sser am Gasometer"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Der B\u00f6se Wolf erkl\u00e4rt Berlin<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Erschienen im <a title=\"MieterEcho\" href=\"http:\/\/www.bmg.ipn.de\/mieterecho\/330\/index.html\">MieterEcho 330<\/a>:<\/em><\/p>\n<p>Das ehemalige Gasag-Areal in Sch\u00f6neberg soll zum \u201eEnergieforum\u201c entwickelt werden<\/p>\n<p>Das Areal um den Gasometer in Sch\u00f6neberg ist rund 40.000 qm gro\u00df. Lange lag es brach, immer wieder gab es Versuche einer Neugestaltung. Doch alle Pl\u00e4ne verliefen im Sande.<\/p>\n<p>Als 2007 die Firma DenkmalPlus das Areal erwarb, kam Bewegung in die Sache. Die DenkmalPlus geh\u00f6rt zum Firmengeflecht des Berliner Architektur-Unternehmers Reinhard M\u00fcller. Dessen Firma <a title=\"Remtec\" href=\"http:\/\/www.remtec.eu\">Rem+tec<\/a> ist nun mit der Entwicklung beauftragt. Auftraggeberin der Rem+tec ist die Firma <a title=\"EUREF\" href=\"http:\/\/www.euref.de\">EUREF<\/a>. Im Vorstand der EUREF sitzen wiederum M\u00fcller sowie der Berliner Baul\u00f6we Klaus <a title=\"Groth Gruppe\" href=\"http:\/\/www.grothgruppe.de\">Groth<\/a>. Dieser galt einst als einer der gr\u00f6\u00dften Akteure im \u201eBerliner Sumpf\u201c. M\u00fcller selbst geh\u00f6rt zu den dicken Fischen in der Berliner Projektentwicklerszene. So ist er auch bei \u201eMediaspree\u201c mit mehreren Bauten beteiligt. Au\u00dferdem ist er Gr\u00fcnder und Vorstandsmitglied der schlagzeilentr\u00e4chtigen <a title=\"Stiftung Denkmalschutz Berlin\" href=\"http:\/\/www.stiftung-denkmalschutz-berlin.de\">Stiftung Denkmalschutz Berlin<\/a>. Im Vorstand sitzen auch der ausrangierte Stadtentwicklungssenator Volker Hassemer (CDU) und der ehemalige Senatsbaudirektor Hans Stimmann (SPD).<\/p>\n<p>Auf dem Gasometer-Areal will die EUREF bis 2013 ein \u201eEurop\u00e4isches Forum f\u00fcr Energie\u201c entstehen lassen. Das 500 Millionen Euro teure Projekt soll mit 120.000 qm Nutzfl\u00e4che in mehreren neuen und denkmalgesch\u00fctzten Geb\u00e4uden Gestalt annehmen. Caf\u00e9s, Hotels und \u201eGewerbefl\u00e4chen mit hohem Imagewert\u201c neben Unternehmensrepr\u00e4sentanzen und einer Privatuniversit\u00e4t sollen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft vernetzen. Angeblich sollen 6000 Arbeitspl\u00e4tze entstehen. \u201eMarkenzeichen\u201c des Areals soll der Gasometer bleiben, in den ein mehrst\u00f6ckiger Glaszylinder eingebaut werden soll.<\/p>\n<p>Ob es wirklich zur Umsetzung der gro\u00dfen Pl\u00e4ne kommen wird, ist unklar. Die geplante H\u00f6he der Neubauten stellt dem Landesdenkmalamt zufolge eine \u201eunertr\u00e4gliche Beeintr\u00e4chtigung f\u00fcr die historische Stadttopographie\u201c dar. Die H\u00f6he soll nun von 65 auf 45 m gesenkt werden. Auch andere Einw\u00e4nde wurden ins Bebauungsplanverfahren eingebracht. Anwohner\/innen bef\u00fcrchten eine zunehmende Verkehrsbelastung, denn immerhin sollen auf dem Gel\u00e4nde bis zu 2000 Parkpl\u00e4tze entstehen. Manche sehen die \u201eVerdr\u00e4ngung gro\u00dfer Teile der Bev\u00f6lkerung\u201c kommen, da eine Aufwertung der Gebiete um das Areal zu Mietsteigerungen f\u00fchren w\u00fcrde. Andere bef\u00fcrchten eine \u201eVerschlechterung der Wohnqualit\u00e4t\u201c im Kiez, die solvente Mieter zum Wegzug bewegen k\u00f6nnte. Besitzer von Eigentumswohnungen sehen die Gefahr, dass ihre Wohnungen durch Verschattung an Wert verlieren. Viele dieser Bedenken werden von der \u201e<a title=\"bi-gasometer.de\" href=\"http:\/\/www.bi-gasometer.de\">B\u00fcrgerinitiative Gasometer Sch\u00f6neberg<\/a>\u201c formuliert.<\/p>\n<p>Die ma\u00dfgeblich von der Zeit-Stiftung konzipierte Privatuniversit\u00e4t soll \u201eGlobal Energy Institute\u201c hei\u00dfen und von einer privaten Stiftung sowie von Automobil- und Energiekonzernen getragen werden. Bislang handelt es sich bei dem Projekt wohl noch um einen Papiertiger. So antwortete der Senat auf eine Anfrage der Gr\u00fcnen-Abgeordneten Claudia H\u00e4mmerling, dass es lediglich \u201eunverbindliche Gespr\u00e4che\u201c \u00fcber die Einrichtung dieser Universit\u00e4t gegeben habe. Es l\u00e4gen \u201ekeine Unterlagen, die eine zuverl\u00e4ssige Einsch\u00e4tzung erlauben w\u00fcrden\u201c, vor. Die f\u00fcr den Universit\u00e4tsbetrieb notwendige staatliche Anerkennung sei nicht vorhanden und Stiftungsgelder m\u00fcssten erst noch gesammelt werden. Ob die Universit\u00e4t tats\u00e4chlich einmal auf dem Gasometer-Areal entstehen wird, ist ohnehin fraglich. Laut Medienberichten sehen sich die Betreiber aus Kostengr\u00fcnden bereits nach anderen Standorten um.<\/p>\n<p>Die gesamte Planung scheint \u00fcberdimensioniert und allzu ehrgeizig. Einige Vorhaben werden entweder nicht wie geplant oder gar nicht umgesetzt werden. Dieser Vorgang ist typisch f\u00fcr Gro\u00dfprojekte, die von altgedienten (West-)Berliner Bauunternehmern erdacht werden. Mit Blick auf andere Berliner Gro\u00dfprojekte bleibt abzuwarten, ob das Areal tats\u00e4chlich wie von M\u00fcller versprochen g\u00e4nzlich ohne \u00f6ffentliche Mittel entwickelt werden kann \u2013 oder ob sich Berlin irgendwann mit der einen oder anderen Bauruine zu befassen hat.<\/p>\n<p><em>Benedict Ugarte Chac\u00f3n<\/em><\/p>\n<p>__________<\/p>\n<p><em>Der Gasometer Sch\u00f6neberg wurde durch die Berlin-Anhaltischen Maschinenbau AG (BAMAG) nach einem Entwurf des Berliner Architekten Alfred Messel zwischen 1908 und 1910 montiert und war damals einer der drei gr\u00f6\u00dften Gasbeh\u00e4lter Europas. Der Gasbeh\u00e4lter konnte maximal 160.000 cbm Gas speichern, das f\u00fcr private Haushalte und f\u00fcr die Beleuchtung der Stra\u00dfen genutzt wurde. Die Gasag beschreibt seine Funktionsweise wie folgt: \u201eDas Gas drang durch ein Rohr von unten in den Gasbeh\u00e4lter ein und dr\u00fcckte, da es leichter ist als Luft, die nach dem Teleskop-Prinzip ausfahrbaren, mit einem Deckel versehenen Stahlw\u00e4nde nach oben.\u201c Mit der berlinweiten Umstellung von Stadt- auf Erdgas wurde der Gasbeh\u00e4lter im Januar 1995 endg\u00fcltig au\u00dfer Betrieb genommen. Der Zylinder wurde demontiert, das \u00e4u\u00dfere Ger\u00fcst ist noch erhalten.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der B\u00f6se Wolf erkl\u00e4rt Berlin Erschienen im MieterEcho 330: Das ehemalige Gasag-Areal in Sch\u00f6neberg soll zum \u201eEnergieforum\u201c entwickelt werden Das Areal um den Gasometer in Sch\u00f6neberg ist rund 40.000 qm gro\u00df. Lange lag es brach, immer wieder gab es Versuche einer Neugestaltung. Doch alle Pl\u00e4ne verliefen im Sande. 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