{"id":99,"date":"2006-12-28T12:39:05","date_gmt":"2006-12-28T10:39:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abrissberlin.de\/blog\/2006\/12\/28\/kriegszeit-in-berlins-mitte\/"},"modified":"2010-01-31T17:55:30","modified_gmt":"2010-01-31T15:55:30","slug":"kriegszeit-in-berlins-mitte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/?p=99","title":{"rendered":"Kriegszeit in Berlins Mitte"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Nachkriegszeit in Berlins Mitte<\/p>\n<p>Die Ruine des Palastes der Republik bleibt standhaft<\/p>\n<p>Von unserem Korrespondenten Peter G\u00e4rtner<\/p>\n<p>BERLIN. Ein Hauch von Bagdad liegt \u00fcber der Berliner Spree-Insel. Wie schwer getroffen d\u00fcmpelt am Ufer der l\u00e4ngst abgetakelte Vergn\u00fcgungsdampfer. Martialisch wirkende Stahtr\u00e4ger ragen in den grauen Himmel, riesige Kr\u00e4ne scheinen den Rumpf noch einmal f\u00fcr eine letzte Reise aufrichten zu wollen.<\/p>\n<p>Doch eher ist das Gegenteil der Fall: Der einstige DDR-Renommierbau Palast der Republik wird &#8211; allerdings ziemlich behutsam &#8211; weiter demontiert. Nur noch wenige komplette Fassadenteile lassen erahnen, dass dieser m\u00e4chtige Riegel viele Jahre ein heftig umstrittenes Symbol war. Jetzt erinnert er eher an einen Bau-K\u00f6rper, der nach und nach abgenagt wird.<\/p>\n<p>F\u00fcr manche ist dieser triste Rest gleichwohl ein Hort voller DDR-Erinnerungen an gepflegte Speisen und gehobene Unterhaltung, f\u00fcr andere schon immer ein ziemlich sch\u00e4biges Baumonster, f\u00fcr das einst die wiederaufbauf\u00e4higen Kriegsreste des Hohenzollern-Stadtschlosses weichen mussten.<\/p>\n<p>Dieser Riss d\u00fcrfte nicht mehr zu kitten sein. Denn seitdem klar ist, dass sich die Abrissarbeiten um mindestens ein weiteres Jahr hinziehen werden, geht das muntere Gepl\u00e4nkel in eine neue Runde: Die einen freuen sich diebisch \u00fcber die Standfestigkeit der Ruine, die eigentlich schon im kommenden Fr\u00fchjahr verschwunden sein sollte. Die anderen wittern sozialistische Nostalgiker in den Baufirmen und nicht zuletzt im SPD\/PDS-Senat, die alles daran setzen, die Erinnerungen an gar nicht so schlechte Zeiten in den Caf\u00e9s, Bars und Restaurants und auf den B\u00fchnen des Palastes so lange wie m\u00f6glich zu konservieren.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich gibt es hier nichts mehr zu erhalten. Die auff\u00e4lligen Kugelleuchten im Foyer, die dem Geb\u00e4ude den Spottnamen \u201eErichs Lampenladen\u201c einbrachten, sind ebenso schon lange verschwunden wie die helle Natursteinverkleidung, die gro\u00dfen Wandgem\u00e4lde und aufw\u00e4ndigen Deckenverkleidungen. Dennoch klingt der Bauleiter, als habe er es mit einer handfesten Verschw\u00f6rung zu tun. \u201eWir finden Asbest immer wieder an Stellen\u201c, lie\u00df Michael M\u00f6ller mitteilen, \u201ean denen er technisch gesehen \u00fcberhaupt keinen Sinn hat.\u201c Die Folgen liegen auf der Hand: Die Arbeiten finden unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt, ganz sacht m\u00fcsse man in Schutzanzug und unter Vollmaske vorgehen.<\/p>\n<p>Und weil Handarbeit ihren Preis hat, sind die Kosten allein f\u00fcr die Asbestsanierung von den urspr\u00fcnglich veranschlagten 51 Millionen Euro auf rund 95 Millionen Euro geklettert. Ob damit das Ende der Fahnenstange erreicht ist, darauf will sich im Bausenat niemand festlegen. M\u00f6ller rechnet jedenfalls mit weiteren brisanten Funden.<\/p>\n<p>Rund 30 Jahre nach der Er\u00f6ffnung des einstigen Prunkbaus durch SED-Chef Erich Honecker hatte der Bundestag am 19. Januar dieses Jahres den Abriss verf\u00fcgt. Die gro\u00dfe Mehrheit der Abgeordneten sprach sich f\u00fcr die Errichtung einer leicht verkleinerten Kopie des Stadtschlosses samt \u201eHumboldt-Forum\u201c f\u00fcr Wissenschaft und Kultur aus. Allerdings fehlen f\u00fcr die neuen, nachempfundenen Schlossfassaden noch ein Bauherr, ein Nutzungskonzept, das notwendige Kleingeld (die Kosten werden auf 700 bis 1200 Millionen Euro gesch\u00e4tzt) und ein Entwurf. Die Berliner Beh\u00f6rde hofft immer noch, ein kleines Gesch\u00e4ft zu machen. Die rund 21 000 Tonnen Stahl sollen die Abrisskosten (bis zu 20 Millionen Euro) um mindestens ein Zehntel senken. Da f\u00fcr einen Neubau in absehbarer Zeit kein Geld vorhanden ist, soll nach dem Abriss-Ende erst einmal Gras \u00fcber die Fl\u00e4che wachsen.<\/p>\n<p>Angesichts der neuerlichen Verz\u00f6gerungen w\u00fcnscht sich der fr\u00fchere B\u00fcrgermeister von Mitte und jetzige Wirtschaftsstadtrat Joachim Zeller (CDU) ein Dauer-Volksfest als Zwischennutzung statt einer jahrelangen Gr\u00fcnanlage. \u201eBallast der Republik\u201c wird das Stahlskelett inzwischen genannt, und ein \u00e4lterer Besucher dr\u00fcckt aus, wie viele den Anblick empfinden: \u201eMan f\u00fchlt sich hier wie vor einer Ruinenlandschaft der Nachkriegszeit.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>via <a title=\"Weser Kurier\" href=\"http:\/\/www.weser-kurier.de\">Weser Kurier<\/a><\/p>\n<p><a class=\"imagelink\" title=\"Palast der Republik - Zweifel\" href=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2006\/12\/Palast%20der%20Republik.jpg\"><img decoding=\"async\" id=\"image100\" data-src=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2006\/12\/Palast%20der%20Republik.thumbnail.jpg\" alt=\"Palast der Republik - Zweifel\" height=\"96\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" class=\"lazyload\" \/><\/a><a class=\"imagelink\" title=\"Palast der Republik - Zweifel\" href=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2006\/12\/Palast%20der%20Republik.jpg\"><img decoding=\"async\" id=\"image100\" data-src=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2006\/12\/Palast%20der%20Republik.thumbnail.jpg\" alt=\"Palast der Republik - Zweifel\" height=\"96\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" class=\"lazyload\" \/><\/a><a class=\"imagelink\" title=\"Palast der Republik - Zweifel\" href=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2006\/12\/Palast%20der%20Republik.jpg\"><img decoding=\"async\" id=\"image100\" data-src=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2006\/12\/Palast%20der%20Republik.thumbnail.jpg\" alt=\"Palast der Republik - Zweifel\" height=\"96\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" class=\"lazyload\" \/><\/a><a class=\"imagelink\" title=\"Palast der Republik - Zweifel\" href=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2006\/12\/Palast%20der%20Republik.jpg\"><img decoding=\"async\" id=\"image100\" data-src=\"http:\/\/www.abriss-berlin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2006\/12\/Palast%20der%20Republik.thumbnail.jpg\" alt=\"Palast der Republik - Zweifel\" height=\"96\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" class=\"lazyload\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachkriegszeit in Berlins Mitte Die Ruine des Palastes der Republik bleibt standhaft Von unserem Korrespondenten Peter G\u00e4rtner BERLIN. 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