{"id":993,"date":"2009-02-16T22:15:00","date_gmt":"2009-02-16T20:15:00","guid":{"rendered":"http:\/\/abriss-berlin.de\/blog\/?p=993"},"modified":"2010-02-01T14:28:00","modified_gmt":"2010-02-01T12:28:00","slug":"planwerk-return","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/?p=993","title":{"rendered":"Planwerk return?"},"content":{"rendered":"<p>Vor 10 Jahren verabschiedete der Senat das sogenannte Planwerk. Das war ein Plan, der Investoren zeigte, wo man bauen kann. Die bauten trotzdem, wo sie wollten.<\/p>\n<p>Das Planwerk wurde hei\u00df und innig diskutiert, musste doch in Berlin auch im Wettstreit des St\u00e4dtebaus gekl\u00e4rt werden, wer nun der Gewinner nach dem Mauerfall sei. Und so stritten die historische Stadt gegen die Ostmoderne. Sie stritten nicht nur um die klare Linie oder den spontanen Stra\u00dfenverlauf in menschlicher Dimension, nein sie stritten auch um die Frage, ob man in der Stadtmitte auch in Zukunft noch wohnen darf. Und nicht nur ob, sondern auch WER? \u201eDer Gipfel des Kalten Krieges\u201c damals war die \u00dcberschrift eines Artikels in der \u201eZeit\u201c, dem gutb\u00fcrgerlich, scheinbar emanzipierten Kleinb\u00fcrgertum \u201eDie Vogelspinne auf der Sahnetorte\u201c. Und wer war wohl die Vogelspinne und wer die Sahnetorte? Richtig, die Sahnetorte waren die sogenannten Urbaniten (Danke, Peter, f\u00fcr \u201eurbane Nieten\u201c) und die Vogelspinne, dieser n\u00f6rgelnde Mittebewohner der sozialistischen Platte, der einfach nicht einsehen wollte, als Verlierer der Geschichte nun die Mitte endlich frei zu machen. Diskutiert wurde \u00fcbrigens auf \u00e4sthetischer Ebene: \u201eIst es nicht wirklich sch\u00f6ner, in T\u00fcbingen oder Heidelberg zu lustwandeln?\u201c Mensch, dann bleib doch in T\u00fcbingen oder Heidelberg!<\/p>\n<p>Nein, da verstand man keinen Spa\u00df! Moderne hin oder her, im Stadtf\u00fchrer die Bruno\u2013Taut-Siedlung feiern, aber die Idee der Moderne nach zweckm\u00e4\u00dfigem Massenwohnungsbau f\u00fcr jedermann und deren Verwirklichung im Ostteil Berlins, nein Danke.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gab es auch die materielle Seite der Verwertung an Grund und Boden in der Stadt. Nachdem im Gro\u00dfstadtwahn vor Allem die Baubranche nicht kleckerte, sondern klotzte und gierig nach immer neuen Baufl\u00e4chen gierte, kam nach der Entwicklung und Bebauung des Stadtrandes mit schnuckeligen kleinen Einfamilienh\u00e4usern nun die \u201eRenaissance der Stadt\u201c.<\/p>\n<p>Gestern wurde Bilanz gezogen, in der Hoffnung, das Planwerk wiederzubeleben. Die Ernte ist d\u00fcrftig und in der Schublade \u201eTat doch gar nicht weh\u201c. Einen Tagesausflug ist es jedenfalls nicht, sondern nur mal ein Blick zwischen Mitte und Kreuzberg, dort wo die Stadt eh jede Orientierung verloren hat. Am Friedrichswerder wurden \u201eTownh\u00e4user\u201c gebaut. Man stritt sich, ob dort 150 oder 500 Bewohner siedeln. Von au\u00dfen betrachtet eher 23, die alle noch eine Villa au\u00dferhalb haben. Unweit davon fehlt das Ahornblatt, das \u201eidentit\u00e4tsstiftende Denkmal der Fischerinsel\u201c, ja aber ist ja nicht mehr da, kann also auch keine Identit\u00e4t stiften. Jetzt reibt sich dort die Traufh\u00f6he der Gr\u00fcnderzeit an dem Hochhaus der Moderne, oder B\u00fcro und Hotel am Wohnen in der Stadtmitte \u2013 Stadt sieht irgendwie anders aus. Und daf\u00fcr der jahrelange erbitterte Streit der intellektuellen und politischen Eliten?<\/p>\n<p>In Mitte wohnt man jedenfalls kreativ und preiswert. Und um die wissensbasierte, kreative Klasse geht es in der Gegenwart. Im Wettstreit der Metropolen wollen wir f\u00fcr diese Leute die arme Stadt so sexy machen, dass sie auf dem Tempelhof Brot und Rosen finden.<\/p>\n<p>Ach ja, London macht es \u00fcbrigens vor, Orte benennen, wo gebaut werden soll und an den sozialen Brennpunkten IDEASTORES bauen, eine Mischung aus Bibliothek, Volkshochschule und Jobcenter.<br \/>\nMein Haus, mietermodernisiert in den 90ern und mit Mietobergrenzen im Sanierungsrecht bis heute gesichert, wird \u00fcbrigens f\u00fcr 3 Mio verkauft, plus Sanierungsbedarf kalkuliert man mit Mieten von 16 Euro.<\/p>\n<p>Und wie ging nun die Bilanz des Planwerkes aus? Wie geht&#8217;s weiter in dieser Stadt?<br \/>\nKeine Ahnung, konnte nicht bis zum Schluss bleiben, wollte lieber zur Kampagne \u201eWir bleiben alle\u201c.<\/p>\n<p><em>Karin Baumert<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 10 Jahren verabschiedete der Senat das sogenannte Planwerk. Das war ein Plan, der Investoren zeigte, wo man bauen kann. 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