{"id":998,"date":"2009-03-04T03:53:53","date_gmt":"2009-03-04T01:53:53","guid":{"rendered":"http:\/\/abriss-berlin.de\/blog\/?p=998"},"modified":"2015-05-23T17:09:37","modified_gmt":"2015-05-23T15:09:37","slug":"kapitalismuskritik-endlich-fundiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.abriss-berlin.de\/blog\/?p=998","title":{"rendered":"Kapitalismuskritik &#8211; endlich fundiert"},"content":{"rendered":"<p>Wolfgang Fabricius legt ein Buch zur Solidarischen \u00d6konomie vor<\/p>\n<p>Wolfgang Fabricius z\u00e4hlt zum Urgestein dessen, was man in Berlin \u201eAlternative Szene\u201c nennen k\u00f6nnte. Immer schon alternativ-politisch unterwegs, war er in den 70er Jahren Mitbegr\u00fcnder des <a title=\"Der Mehringhof\" href=\"http:\/\/www.mehringhof.de\">Mehringhofs<\/a> und des <a title=\"Gesundheitsladen Berlin\" href=\"http:\/\/www.gesundheitsladen-berlin.de\">Gesundheitsladens<\/a>, in j\u00fcngerer Zeit wirkte er als Gr\u00fcndungsmitglied von <a title=\"attac Berlin\" href=\"http:\/\/www.attacberlin.de\">attac Berlin<\/a> und des <a title=\"Sozialforum Berlin\" href=\"http:\/\/www.sozialforum-berlin.de\">Berliner Sozialforums<\/a>.<\/p>\n<p>Seine Erkenntnisse und Erfahrungen zu \u00d6konomie und Politik, die er auf seinem jahrzehntelangen Weg abseits etablierter Institutionen in zahlreichen Initiativen sammelte, hat er nun in ein Buch gepackt und es mit dem Titel <em>\u201eSolidarische \u00d6konomie auf der Basis von Reproduktionsgenossenschaften\u201c<\/em> versehen. Dieser Titel ist jedoch das einzig Sperrige am vorgelegten Werk, das sich ansonsten gut liest und sich damit deutlich von anderen kritischen polit\u00f6konomischen Bleiw\u00fcsten unterscheidet.<\/p>\n<p>Fabricius sieht in der Solidarischen \u00d6konomie, die sich in Genossenschaften institutionalisieren kann, eine tats\u00e4chliche Alternative zu einer Wirtschaftsform, deren einziges Ziel die Profitmaximierung darstellt. Bei der Solidarischen \u00d6konomie w\u00fcrde der <em>\u201emenschliche Bedarf [&#8230;] die Rendite als Triebfeder der Wirtschaft\u201c<\/em> abl\u00f6sen. Kurzum: Der Autor betreibt handfeste Kapitalismuskritik, die klare Gegenentw\u00fcrfe pr\u00e4sentiert und dementsprechend intelligenter daherkommt als so manche echte oder scheinbare kapitalismuskritische Plattit\u00fcde.<\/p>\n<p>Sein Buch bietet einen kurzen und pr\u00e4gnanten \u00dcberblick \u00fcber \u00f6konomische Grundbegriffe, der schon allein wegen seiner pr\u00e4zisen Knappheit lesenswert ist. Sachkundig setzt er sich mit der <em>\u201eneoliberalen Globalideologie\u201c<\/em> auseinander und analysiert den aktuellen Kapitalismus als krisenanf\u00e4lliges System, dessen wiederholte <em>\u201eRettung\u201c<\/em> zumeist aus Ma\u00dfnahmen bestand, die die <em>\u201eBesitzenden\u201c<\/em> weiter besitzen und die <em>\u201eBesitzlosen\u201c<\/em> daf\u00fcr aufkommen lie\u00dfen.<\/p>\n<p>Doch bei der Analyse allein kann es laut Fabricius nicht belassen werden. Und so weist er auf den ersten Seiten des Buches auf ein grundlegendes Manko hin:<\/p>\n<p><em>\u201eDie politischen Aktivit\u00e4ten der globalen sozialen Bewegungen konzentrieren sich im Wesentlichen auf die Kritik des bestehenden Systems und daraus abgeleiteten Forderungen. Sie befassen sich nicht oder nur sehr unzureichend mit der Konzeption und Erprobung einer \u00f6konomischen Grundlage f\u00fcr die propagierte\u201a andere Welt und setzen ihre Hoffnungen in Parteien oder den Staat.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Um diesem zu entgehen, bietet Fabricius \u2013 einige theoretische \u00dcberlegungen voranstellend \u2013 im zweiten Teil seines Buches einen Fundus an Beispielen, wie eine Solidarische \u00d6konomie umgesetzt werden kann. Vom historischen \u00dcberblick \u00fcber die Entwicklung des Genossenschaftswesens bis hin zu nationalen und internationalen Beispielen der heutigen Zeit wird alles geboten und selbst marktradikale Gegner des Genossenschaftswesens k\u00f6nnten sich hier umfassend informieren.<\/p>\n<p>Und wenn auch Fabricius die Ma\u00dfst\u00e4be an ein wirkliches Genossenschaftswesen recht hoch ansiedelt \u2013 so hat bspw. eine Genossenschaft eigentlich die Rollen des B\u00fcrgers als Konsument und Produzent zu vereinigen und eine entsprechende basisdemokratische Organisation aufzuweisen \u2013 bleibt seine Kritik am real existierenden Genossenschaftswesen erstaunlich zaghaft. Schimmert hier etwa schon eine gewisse Altersmilde durch? Oder spart sich der Autor die Abrechnung f\u00fcr ein weiteres Buch auf? Fest steht: Wer \u00fcber Alternativen zum jetzigen Wirtschaftssystem diskutieren will, findet bei Fabricius eine gute Grundlage \u2013 und wer ihn widerlegen will, hat einige Arbeit vor sich.<\/p>\n<p><em>Benedict Ugarte Chac\u00f3n<\/em><\/p>\n<p>Wolfgang Fabricius: Solidarische \u00d6konomie auf der Basis von Reproduktionsgenossenschaften, BoD, Berlin 2008, 15 Euro; Erwerbslose und Geringverdienende k\u00f6nnen den Buchtext im pdf-Format (1,4 MB) \u00fcber E-Mail beziehen: w.fabricius(at)isp-eg.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolfgang Fabricius legt ein Buch zur Solidarischen \u00d6konomie vor Wolfgang Fabricius z\u00e4hlt zum Urgestein dessen, was man in Berlin \u201eAlternative Szene\u201c nennen k\u00f6nnte. Immer schon alternativ-politisch unterwegs, war er in den 70er Jahren Mitbegr\u00fcnder des Mehringhofs und des Gesundheitsladens, in j\u00fcngerer Zeit wirkte er als Gr\u00fcndungsmitglied von attac Berlin und des Berliner Sozialforums. 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