Tempelhof: Mafia trifft auf Mafia

Ostprinzessin, 3. Januar 2008

Nun ist es soweit: Die Tempelhof-Mafia macht den großen Wind gegen die vernünftige Stilllegung des Flughafens. Und auf wen trifft sie dabei? Ja genau, auf die Mafia, die – entgegen jeder Vernunft – einen Flughafen in Schönefeld ausbaut, trotz aller abratenden Studien und Empfehlungen. Die Studien des Landes werden übrigens unter verschluss gehalten – ihre Ergebnisse sickerten jedoch unlängst durch. Auch öffentlich-rechtliche TV-Magazine beschäftigten sich mehrfach mit dem Skandal.

Da hilft wohl nur noch Dreierlei: Keine (Billig-) Flüge promoten, keine Erlebnisberichte vom ach so neuen Flughafen (man erinnere sich an den Quatsch bezüglich des sog. Hauptbahnhofs*) und last but not least: Den Senat aus SPD und „Die Linke“ abwählen, CDU und FDP nicht wählen, auf die GRÜNEN nicht vertrauen (altbekannte Geschichte des Einknickens) und daher am Besten (und sowieso aus Notwehr) den pseudo-demokratischen Beteiligungsmaschinen den Saft abstellen.

Was dann käme, können wir ja zum Beispiel auch in diesem Forum ausdenken und diskutieren. Zumindest die Gedanken sind ja angeblich noch frei.

Im Übrigen ein viel spannenderes Volksbegehren-Thema:

www.berliner-wassertisch.net

www.unverkaeuflich.org

*Gemeint war hier die von Leni Riefenstahls geistigen Erben inszenierte Eröffnungsshow für „den Berliner Hauptbahnhof“ und der mediale Begleitzirkus, der dieser Shoppingkathedrale im Nirgendwo eine Aufmerksamkeit verschaffte, die sie nicht einmal angesichts der kolossal, denkbar uneleganten und kleingeistigen Architektur – die Vordächer offenbaren dies mustergültig – verdient haben kann. Auch sei daran erinnert, dass dieses die Stadt Berlin und die mobilen Bedürfnisse ihrer Einwohner ignorierende Meisterwerk vortefflichster neo-totalitärer Denkart eine der letzten, sich Zombieland entziehenden, beseelten Gegenden der inneren Stadt einer beschleunigten Vermarktung, Verdichtung und Vernichtung zuführt. Die Planungen an der Heidestraße sind hierfür sicher das geeigneteste, traurige Beispiel.

„Berlin Hauptbahnhof“ möge also bitte gelegentlich in sich zusammenfallen und sich als aufwertungshemmende Schrotthaufen-Installation inkarnieren.

10 Reaktionen zu “Tempelhof: Mafia trifft auf Mafia”

  1. berlin hbf

    (man erinnere sich an den Quatsch bezüglich des sog. Hauptbahnhofs)

    Könnten Sie das bitte näher ausführen? Dankesehr.

  2. O

    Sehr gern!

    Gemeint war hier die von Leni Riefenstahls geistigen Erben inszenierte Eröffnungsshow und der mediale Begleitzirkus, der dieser Shoppingkathedrale im Nirgendwo eine Aufmerksamkeit verschaffte, die sie nicht einmal angesichts der kolossal, denkbar uneleganten und kleingeistigen Architektur – die Vordächer offenbaren dies mustergültig – verdient haben kann. Auch sei daran erinnert, dass dieses die Stadt Berlin und die mobilen Bedürfnisse ihrer Einwohner ignorierende Meisterwerk vortefflichster neo-totalitärer Denkart eine der letzten, sich Zombieland entziehenden, beseelten Gegenden der inneren Stadt einer beschleunigten Vermarktung, Verdichtung und Vernichtung zuführt. Die Planungen an der Heidestraße sind hierfür sicher das geeigneteste, traurige Beispiel.

    Genügen Ihnen diese Ausführungen?

  3. berlin hbf

    Danke, dass Sie nochmal fast alle gängigen Klischees breitgerührt haben. Anderes hatte ich nicht erwartet 😉

    Ihnen gefällt die Architektur nicht – ja und? Wer sind Sie denn schon?
    Geschmacksdiktator? Es kommt mitunter vor, dass man nicht mit jeder Architektur etwas anfangen kann. Wird man sich dran gewöhnen müssen in einer Stadt wie Berlin.
    Deken Sie denn, ich finde jedes (neue) Bauwerk super? Ganz bestimmt nicht.
    Welche Vordächer sind denn gemeint? Ich dachte immer, das Hallendach sei zu kurz.
    Der mediale Begleitzirkus war übrigens zu großen Teilen auch negativ – müsste das nicht in Ihrem Sinne sein? Wenn er keine Aufmerksamkeit verdient, warum regen Sie sich dann auf?
    Jede Erwähnung in irgendeinem Blog sollte doch schon eine zu viel sein 😉

    Shoppingkathedrale? Ja, jeder deutsche Großbahnhof ist das heutzutage, leider.
    Aber nur beim Berliner HBF fällt’s auf. Beim Berliner HBF fällt jede Kleinigkeit auf, die anderswo völlig normal ist. Meiner Ansicht nach völlig überzogen – der Bahnhof hat Fehler, wie jeder Bahnhof Fehler hat. Man muss es aber nicht übertreiben.

    Und über Bedürfnisse reden wir besser nicht. Bedürfnisse sind nämlich meistens individuell.
    Mag sein, dass er Ihre Bedürfnisse nicht erfüllt. Ich sehe aber täglich etliche Menschen, die ihn oft und gerne nutzen und mit den Anbindungen wunderbar klarkommen, mich eingeschlossen.
    Wie erklären Sie sich diesen Umstand? Wenn so viele, die ständig meinen, den Bahnhof bräuchte niemand, ihn boykottieren würden, dann müsste er ja jeden Tag beinahe leer stehen.
    Es gibt vier weitere Fernbahnhöfe in Berlin, man kann also ausweichen.
    Der Bahnhof Zoo ist auch nicht der Nabel der Welt(und stellen Sie sich vor, selbst da hat der Kommerz schon Einzug gehalten!). BVG-mäßig besser erschlossen (U-Bahn), aber ansonsten bietet er keinerlei Vorteile. Trotzdem könnte man dort wieder ICEs halten lassen – fände ich wünschenswert, allein damit die BahnhofZoo-Lobby zu quengeln aufhört und dem bösen, bösen HBF fernbleiben kann 😉
    Jetzt mal ernsthaft: Warum kommen einige Leute mit der Nutzung des HBF klar und andere nicht? Und an wem liegt es in diesem Fall wohl…
    Wenn es so katastrophal wäre, wie man sich im Netz gerne erzählt, dann käme niemand klar.

    Im Nirgendwo? Na, nicht mehr lange. Der Senat und einige fette Investoren arbeiten daran, den HBF komplett einzumauern (ist doch in Ihrem Sinne, nicht?). Freudentänze sollten Sie aufführen. Aber nein, Bebauen geht ja auch nicht. Es darf keine Wüste sein, und keine Bebauung. Ich finde das ein bisshen schizophren.
    Ich bin auch gegen die Planungen für ein Stadtquartier der kommerziellen Art, weil ich meine, dass der Bahnhof selbst ausreicht. Tja, das meinen viele andere nicht.
    Wie sähe denn Ihr Konzept für das Areal aus? (gehn wir einfach davon aus, der Lehrter Stadtbahnhof würde noch stehen und der unsägliche HBF wäre nie gebaut worden)

    Vieles, wofür Ihr Blog steht, kann ich nachvollziehen und unterstütze ich auch.
    Der HBF ist aber die falsche Adresse für Ihren Hass.
    Und „neo-totalitär“ ist er schon gar nicht – das muss ich als pure substanzlose Polemik zurückweisen.

    MfG

  4. berlin hbf

    Nachtrag zu einem nachträglichen Absatz, den Sie sich besser gespart hätten:

    „Berlin Hauptbahnhof“ möge also bitte gelegentlich in sich zusammenfallen und sich als aufwertungshemmende Schrotthaufen-Installation inkarnieren.

    Unterste Schublade!
    So viel zum Thema „neo-totalitär“.
    Es ist immer schön zu sehen, wie Ihresgleichen sich selber vorführt.
    Ich wünsche Ihnen eine Zeitreise ins Berlin des Jahres 1945, dort dürften Sie sich ja wohlfühlen.

  5. Bricky Merlon

    Hello Ostprinzessin,

    die geistigen Erben L. Riefenstahls also mal wieder. Sie machen nicht zufällig eine Anspielung auf den ollen Lichtdom von „damals“? Na, den haben wohl doch Speer & Co. auf ihrem Konto ;-).

    Man muss den neuen HBF nicht lieben, seine Architektur nicht schön finden – aber er ist nun einmal ein ideales, positives Symbol für das Zusammenwachsen einer ehemals geteilten Stadt (und eines ganzen Landes). Und ein Symbol für die Überwindung von Grenzen und der Zusammenführung von Menschen aus allen Himmelsrichtungen.

    In Berlin wird alles zu einem Event – da durfte der neue HBF nicht fehlen. So sind wir nuneinmal ;-).

    Das mit dem Zusammenfallen ist hoffentlich nicht ernst gemeint – oder ist es ihnen Egal, was in einem derartigen Fall das für die x-tausend Menschen, die ihn frequentieren, bedeutet?

  6. Prinz Eisenbahnherz

    „aber er ist nun einmal ein ideales, positives Symbol für das Zusammenwachsen…“

    Der neue „HBF“ ist nun einmal ein ideales, negatives Symbol für die Profitgier von zu Spekulanten mutierten ehemaligen Staatsunternehmen. Genau wie auch der Bahnhof Südkreuz wurde der Hauptbahnhof von der Bevölkerung an der betreffenden Stelle weder gebraucht noch gewollt. Dafür verwandelte sich durch den Bau der Bahnhöfe wertloses, im Besitz der Immobilientöchter der Bahn befindliches Brachland über Nacht in wertvolles Bauland.

    „Und ein Symbol für die Überwindung von Grenzen“

    Ja, der Schamgrenzen.

    „So sind wir nuneinmal ;-).“

    Sie vielleicht.

  7. Bricky

    @ Prinzchen:
    Warum so negativ?
    So vielfrequentiert wie olle HBF und Südi sind hab ich wegen „gebraucht“ echt eine andere Meinung.
    Warum sind die Gebäude ständig so scheiss-stressig gefüllt mit Reisenden und Besuchern ???
    (Bin von Berufswegen öfter an den Orten, und es scheint nicht, als würden sie nicht angenommen/gebraucht werden, harr, also alles nicht Lustig!!).

    Und mal ein kleines Appellchen an Ihr wertes Hinterstübchen:
    Das Gelände am und um den HBF war schon seit geraumer Zeit Bahngebiet, sogar ein ziemlich großes.

    Sie mögen es anscheinend nicht, dass diese Stadt versucht, zusammen zu wachsen.
    Warum nicht?

  8. berlin hbf

    Ein bisschen weniger ideologische Brille täte Euch Prinzen und Prinzessinnen nicht schlecht.
    Sie macht blind für das Wesentliche.

    Ansonsten sehe ich es wie Bricky: Die Bahnhöfe werden gebraucht und angenommen
    (es wird schließlich niemand mit vorgehaltener Pistole gezwungen, sie zu frequentieren).
    Es ist lediglich ein ganz kleiner Teil, der seinen Willen nicht gekriegt hat (Stillstand statt Veränderung) und nun auf bockig macht.
    Aber statt sinnloser Anfeindungen im Netz zeigen Sie der Bahn doch lieber direkt, was Sie denken: indem sie wegbleiben von ihren „Prestigeobjekten“ und ihnen nicht einen Funken Aufmerksamkeit zollen 😉

    Was an wertvollem Bauland so schlecht sein soll, geht mir leider auch nicht auf.
    (Jedenfalls nicht da, wo Brache ist – wo niemand wohnt, kann auch niemand verdrängt werden)
    Am Südkreuz ist übrigens bislang kein Stadtquartier geplant.
    Sie können gern sich uns anschließen um gegen das neue Quartier am HBF zu protestieren, wir suchen da noch Unterstützer. Oder Sie sparen Ihre Energie auf, um gegen das Stadtschloss Stimmung zu machen – auch so’n Ding, das „keiner braucht“, und in dem Fall ist noch nichts entschieden, d.h. es kann noch verhindert werden.
    Die Bahnhöfe aber stehen jetzt und werden auch nicht einstürzen.
    Es gibt Menschen, die sie lieben, und sogar eine Menge Menschen, die sie gerne nutzen!

    @Ostprinzessin: Ist meine Antwort-Mail bei Ihnen eingetrudelt?
    Ich freue mich, dass wir größtenteils einen Konsens finden konnten.

    MfG

  9. Bricky

    „ABRISSberlin“ …

    na, geht doch einfach weg von hier …
    (diese Site ist echt sowas von Überflüssig!)

  10. Damianian

    @Bricky:
    Oh, da ist jemand wohl sehr genervt!
    Kann es verstehen, aber bitte doch um etwas mehr Toleranz 🙂
    Die Prinzen und Prinzesschen hier wissen es vielleicht nicht besser?